Die zweite Generation des Stowaway-Keyboards von Think Outside ist noch immer das Mass der Bluetooth-Tastaturen. Wir haben sie mit einem Nokia Symbian-Telefon getestet.

Ich war ein Fan der ersten Stunde: Als ich im Frühjahr 2000 auf amerikanischen Websites von der ersten Falttastatur für Palm-PDA las, beschaffte ich mir die E-Mailadresse des CEOs der Herstellerfirma und bat um ein Testexemplar. Der War zufällig sowieso grade in Basel an der Uhrenmesse - und beglückte mich mit der wohl ersten Falt-Tastatur aus dem Hause Thinkoutside in Europa.
Aus vier Klappmodulen bestehend, begeisterte das Gerät durch die volle Notebookgrösse. Allerdings musste dieses erste Modell auf eine ebene Oberfläche gelegt werden, wenn man tippen wollte.
Einige Jahre später kam die überarbeitete Version auf den Markt. Sie war kleiner, bestand nur aus zwei Hälften und blieb, wenn man sie aufklappte, stabil wie ein Brett - worauf man auch auf den Knien tippen konnte (mit einer allerdings unangenehmen Nebenwirkung: Weil die beiden herausragenden Enden der Tastenfläche gegenüber dem Mitteilteil erhöht sind, wird die Tastatur auf einer Tischfläche für Adler- und Bärentatzentipper wie mich zu einer klackernden Wippe).
Der nächste Schritt von der einfach gefalteten Steck-Tastatur (für die in jeder Modellreihe mit wieder einem neuen Steckplatz ausgerüsteten Palm-Modelle) war die Entwicklung einer Infrarot-und schliesslich einer Bluetooth-Version der Tastatur. Das verlangte zwar den Einbau einer eigenen Stromversorgung, machte die Tastaturen aber universell verwendbar. Es blieb, meiner Ansicht nach, die beste verfügbare Klapptastatur, trotz vielen Nachahmungen von teilweise namhaften Herstellern. Angeblich ist die Tastatur nicht mehr verfügbar. Hier und da ist sie allerdings noch zu finden, und wenn auch nur als gebrauchte auf Ebay.
Die Stowaway-Tastatur in der Bluetooth-Version weist deswegen ein Fach für zwei AAA-Batterien auf, die angeblich Monatelang durchhalten sollen. Angesichts des Umstands, dass nichts mein Nokia E71 so schnell leer saugt wie der eingeschaltete Bluetooth-Dienst, habe ich einige Mühe, das zu glauben (und nicht die Ausdauer und die Zeit, um es zu testen).
Was mich im Zusammenhang mit dem Nokia aber vor allem interessierte, war die Belegung meiner deutschen Version des Stowaway auf dem Symbian-Handy: Die Tasten des Keyboards sind nämlich drei- und vierfach belegt mit Sonderfunktionen aus dem Menu des Palm.
Ob und wie diese für das Nokia verwendet werden könnten, war die eine Frage; wie gut die Belegung der Zeichen mit Umlauten und allen Accents umgesetzt wäre, die andere.
Die Symbian-Software der E-Serie-Business-Telefone von Nokia sind vorausgestattet mit einem Bluetooth-Keyboardtreiber. Dieser findet die Stowaway-Tastatur auch prompt (Wenn man mal auf der Rückseite der Tastatur nachgelesen hat, dass man gleichzeitig beide Funktions-Tasten drücken muss, um das Keyboard in den Paarungs-Modus zu schalten. Danach kann das Keyboard verwendet werden, wobei einerseits die Tastenbelegung nur in den gröbsten Teilen mit der Beschriftung übereinstimmt und sich die Sondertasten selbstredend für nichts einsetzen lassen.
Also guckt man auf der Website von ThinkOutside nach einem Treiber für Symbian, stellt fest, dass die Tastaturen inzwischen vom Hersteller der iGo-Universalladegeräte vertrieben werden und stösst dort schliesslich auf eine ganze Batterie von Treibersystemen für die Stowaway-Bluetooth-Tastatur im Gebrauch mit den unterschiedlichsten Mobil- und Smarttelefonen.
Nach der Installation des (unsignierten, also von Nokia als nicht sicher klassierten Treibers geht dann alles ganz anders vor sich: Sowie die Tastatur aufgeklappt (und damit aktiviert) worden ist und man etwa drei Tasten gedrückt hat, wird sie vom Telefon erkannt (sofern Bluetooth eingeschaltete ist, natürlich) und lässt sich sofort und in jeder Anwendung verwenden. Das schöne daran: Die Sondertasten wie Ctrl und Alt können just für die gewohnten Zwecke verwendet werden, die man am PC kennt: Ctrl zum Beispiel macht jederzeit das Optionsmenu der Anwendung auf, mit den Pfeiltasten kann darin und in den Untermenus navigiert werden.
Vor allem aber sind fast allen den mit einer blauen und einer grünen Fn-Taste dritt- und viertbelegten Keys entsprechende Funktionen auf dem Nokia zugeordnet: Schliesslich haben moderne Smartphones all die Funktionen, die früher nur die Palm-Geräte aufwiesen, wie Adressen, Kalender, Mail, Notiz, Word; Aber auch die Sondertasten “Neu”, “Programm Abbrechen”, “Suchen” funktionieren ziemlich genau so, wie man das erwarten würde, ausserdem sind selbstredend sämtliche Sonderzeichen auf der Tastatur verfügbar.
Das macht die Arbeit, und sei es nur das Beantworten von Mails im Zug mit beschränkten Platzverhältnissen, sehr viel bequemer als mit dem integrierten Mäuseklavier - so gut sich dies mit zwei Daumen auch bedienen lässt: Markierungen im Text, ausschneiden und kopieren (Ctrl X, C, V) lässt das E71 nämlich zu, aber aufgrund der idiotischerweise auf den Shift-Level der Alt-Taste verlegten CTRL-Taste sind diese Funktionen mit der integrierten Tastatur kaum nutzbar.
Mit dem Stowaway hingegen fühlt sich die Arbeit mit dem Smartphone auf dem kleinen Klappständer, der von der Tastatur abgetrennt werden und damit das Telefon auf den Zugtisch gestellt und die Tastatur auf den Schoss gelegt werden kann, fast schon wie die Arbeit mit einem Notebook an.
Vor dem wegklappen muss an der Tastatur ein kleiner Riegel gezogen werden, damit sie sich zusammenfalten lässt - was besser mit Sorgfalt und ohne zuviel Krafteinwirkung geschehen sollte, weil man sonst das mechanische Schienenwerk des Keyboards verbiegen könnte.
Zusammengefaltet ist die Tastatur nicht ganz so lang etwa gleich dick und etwas breiter als eine Tafel Schokolade. Wer sie nicht in der mitgelieferten Kunsteledertasche verstaut, die sie deutlich dicker macht, hat ein sehr flaches Gerät, das sich leicht in einer Seiten- oder Diskettentasche so mancher Arbeitsmappe schieben lässt.
Ich habe die Stowaway bisher leider nur noch als AnyCom BFK-200, bestellbar nur in amerikanischer Belegung, bei Expansys gefunden - für 170CHF oder rund 110 Euro. Hinweise auf andere Bezugsquellen und vielleicht die Deutsche/CH-Version bitte in den Kommentaren.
ANZEIGE

