| Kritische Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung |
Subscribe | Retrun to feeds | Users subscribed: 3 | Last Updated: Aug 19 2008, 18:21:40
Wir unterbrechen unser Sommerloch für eine wichtige Durchsage: Auf der A2 Richtung Köln kam es gestern zu einem schweren Unfall! Jeanette B. (27) mit ihrem roten Mazda unterwegs zu ihren Eltern. Hinter ihr in seinem Lieferwagen: Mathieu C. (57). Dann plötzlich – STAU! Jeannette B. kann gerade noch rechzeitig bremsen. Doch da ist es für Hintermann Mathieu C. schon zu spät… Der Kleintransporter kracht ins Heck des Wagens vor ihm, verfehlt ihn nur um wenige Meter! Wie durch ein Wunder bleiben beide unverletzt! Augenzeugen berichten atemlos, im Rückspiegel hätte es wie ein Unfall ausgesehen. Und damit zurück zu 'Bild'. Denn wir waren nicht dabei, als Jeanette Biedermann und Mathieu Carrière in Berlin eine neue TV-Serie vorstellten. Die 'Bild'-Reporter Martina Kleinke und Mark Pittelkau vielleicht schon. Und so berichteten die beiden bereits gestern online über eine 'Busen-Attacke von Mathieu Carrière auf Jeanette Biedermann', die es als 'Grapsch-Attacke' heute sogar auf Seite 1 der gedruckten 'Bild' geschafft hat: Mathieu Carrière begrapscht Jeanette Biederman (…). Bei einem Termin in Berlin grapschte ihr Schauspieler Mathieu Carrière (57) einfach an die Brust! (…) Er griff der schönen, 30 Jahre jüngeren Blondine mit voller Hand an den Busen! Und neben den, ähm, Foto-Beweis steht’s nochmal: Mathieu Carrière fasst Jeanettes Brust an. Patsch! Mathieu Carrière (57) packt Kollegin Jeanette Biedermann (27) an die Brust. Online allerdings finden sich (in einer Bilder-Galerie) noch diese Zeilen: 
'Sommerloch', das sagt sich so leicht. Irgendjemand muss das Ding schließlich Jahr für Jahr ausheben, befestigen und bepflanzen. Zum Glück übernimmt das in Deutschland ein Medium zentral für fast alle anderen. Heute zum Beispiel mit dieser Meldung auf Seite 1: 
Hauptdarsteller der Geschichte ist ein CDU-Politiker namens Peter Trapp, der als Polizeibeamter dafür zuständig war, Strategien zur Bekämpfung der Straßenkriminalität in Spandau zu entwickeln und umzusetzen und seit fast neun Jahren den Spandauer Wahlkreis 5 (Kladow, Gatow, Pichelsdorf und die südliche Wilhelmstadt) im Berliner Abgeordnetenhaus vertritt, wo er den Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung leitet. 'Bild' zitiert ihn heute mit dem Satz: 'Die Abschaffung der Ortsziffern auf dem Nummernschild ist (…) zu überdenken.' Tatsächlich will er die Kürzel für die Orte aber offenbar nicht retten, sondern abschaffen. Weil 'Autofahrer aus bestimmten Regionen aufgrund ihres Kennzeichens' dadurch diskriminiert würden, dass andere sie für Deppen hielten. Im nordrhein-westfälischen Landtag fand 'Bild' einen grünen Abgeordneten namens Johannes Remmel, der den Vorschlag zu unterstützen schien und einen 'Ideenwettbewerb zur kreativen Gestaltung von Nummernschildern für sinnvoll' erklärte. Die 'Bild'-Meldung fand guten Absatz. Der Hessische Rundfunk lieferte als Service sieben Kennzeichenwitze aus der Region, der 'Kölner Stadtanzeiger' zwei aus dem näheren Umkreis und drei aus dem Ferne; bei n-tv.de hat man die vier Nummernschild-Ulk-Übersetzungen aus 'Bild' freundlicherweise um fünf weitere Ideen ergänzt. n-tv.de fand aber auch, die Nachricht klinge 'wie ein verspäteter Aprilscherz', fragte bei den von 'Bild' zitierten Politikern selbst nach und erfuhr, dass Johannes Remmel relativ egal ist, welche Buchstaben auf den Kennzeichen stehen, solange sie schön bunt sind. 'Stern'-Autor Wolfgang Röhl nutzte die Gelegenheit der 'Bild'-Meldung, in einem Beitrag für die sich für politisch unkorrekt haltende 'Achse des Guten' ein ausländerfeindliches Witzchen zu machen. De Nachrichtenagentur AP schließlich fand erstaunlicherweise zwischen der Nennung von nicht weniger als zehn Kennzeichenwitzen noch Platz, eine Reaktion von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zu zitieren, der den Forderungen 'umgehend eine Absage' erteilt habe: 'Ich glaube, wir haben ein sehr gut funktionierendes System in Deutschland, das sich bewährt hat.' 'Wir haben keine Veranlassung, von den regionalen und merkbaren Kennzeichen Abstand zu nehmen. Das System hat sich bewährt', waren übrigens die Worte, die auch ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums gegenüber derselben Nachrichtenagentur gewählt hatte — vor vier Jahren. Damals hatte ein CDU-Bundestagsabgeordneter namens Albrecht Feibel gefordert, die Orts-Kennungen in den Kennzeichen abzuschaffen, immerhin mit der weniger originellen Begründung, dass sie soviel Bürokratie produzierten. Feibels Vorschlag wurde am 20. Juli 2004 bekannt, weshalb der Ministeriumssprecher laut AP von einem typischen Sommerloch-Vorschlag sprach. Verbreitet wurde er auch damals von der dafür zuständigen Zeitung auf Seite 1: 
Mit Dank auch an Daniel W. für den Hinweis. Es war eine dieser Meldungen, die erschüttern: Viele Ehen, die in Las Vegas geschlossen werden, berichtete Bild.de in dieser Woche, halten nicht für immer. Woran mag das liegen? Bild.de ist diese mögliche Erklärung eingefallen: Liegt ein Fluch auf den Hochzeiten in Las Vegas? Holla, darauf wären wir jetzt nicht gekommen. Aber dafür hat man ja Experten, dass sie einen warnen, vor Orten und Gegenständen, die verwunschen sind, von irgendeiner übersinnlichen Macht. Und wir nutzen die Gelegenheit, als Service für unsere Leser die wichtigsten der potentiellen Flüche, über die 'Bild' in diesem Jahr berichtete, in einer Übersicht zusammenzufassen: | Verflucht | Art des Fluchs | | Bär Bruno | 'Liegt ein Fluch über dieser Bärenfamilie?' (zwei Jahre nach Bruno wurde auch sein Bruder erschossen) | | Batman-Film 'The Dark Knight' | 'Der Fluch des Batman-Films' (zwei Tote, eine Festnahme, ein Horror-Unfall) | | Bayern München | 'HSV-Fluch' (kein Sieg in der Arena gegen Hamburg) | | Beatles | 'Die Beatles haben einen Fluch, sie werden nie glücklich werden.' | | Deutsche Olympioniken 2008 | 'Olympia-Fluch' (keine Goldmedaillen für Deutschland) | | Dieter Degowski, Gladbeck-Geiselnehmer | 'Über seiner Familie scheint seit seiner Tat ein Fluch zu liegen.' (Vater gestorben, Mutter Hirnschlag, Bruder Selbstmord, keine Freunde) | | Dirk Zingler, Präsident 1. FC Union Berlin | 'Erfurt-Fluch' (mehrere Niederlagen) | | Dustin Heun, Stürmer 1. FC Union Berlin | 'Erfurt-Fluch' (keine Tore) | | Günther Beckstein, Erwin Huber | 'Als laste ein Fluch auf den beiden 'Provinzpolitikern' (Stoiber)' (ihnen 'will nichts gelingen') | | Hertha BSC | 'Flutlicht-Fluch' (keine Siege, wenn es dunkel ist) | | Die Kennedys | 'Der Fluch der Kennedys' ('Tragödien und Skandale, Trauermärsche und Särge', sogar alte Männer werden krank) | | Klimbim-Familie | 'LIEGT ETWA EIN FLUCH ÜBER DER KLIMBIM-FAMILIE?' (traurige Schicksale) | | Luca Toni | 'Torlos-Fluch' | | Manuel Neuer, Torwart Bayern München | 'Erbt Neuer den Fluch von Pannen-Olli?' ('mal Held, mal Depp') | | Michael Ballack | 'Vize-Fluch', 'Endspiel-Fluch', 'Final-Fluch' (gewinnt kein Endspiel) | | Nürnberger Zoo | 'Es ist, als ob ein Fluch auf dem Tiergarten liegt.' (Im Lauf von 8 Jahren sterben 4 Bären, 1 Giraffen-Junges, 7 Delfin-Babys, 1 Elefantendame, 1 Gepardin, 2 Eisbär-Babys, 1 Besucherin.) | | Renft, Popgruppe | 'Der Fluch über der 'Renft'-Combo hält an' (mehrere Mitglieder sterben an Krebs, einer bei einem Autounfall) | | Roger Federer, Tennisspieler | 'Paris-Fluch' (noch nie die French-Open gewonnen) | | Schalke 04 | 'Start-Fluch' (kein Tor, nur Niederlagen in den Auftaktspielen der Champions League) | | Spanische Fußballnationalmannschaft | 'Elfer-Fluch'(verliert immer am 22. Juni das Viertelfinale bei einem großen Turnier im Elfmeterschießen) | | Tour de France 2008 | 'Auf dieser Tour liegt ein Fluch!' ('nach den Doping-Fällen der letzten Tage … gab es einen bösen Sturz') | | Tutanchamun | 'Fluch des Pharao' | | Volleyballer vom SC Charlottenburg | 'Pleiten-Fluch' (scheitern in der Vorrunde der Play-Offs) | 'Bild' gibt alles: 'Liebes Model! Bitte melde Dich! Bewirb Dich als 'BILD Girl' für die Seite 1! Kontakt: BILDFotoredaktion (…)' (Bild.de vom 17.4.2008) 'War der Frau etwa zu warm? Oder wurden ihr die Klamotten gestohlen? Oder suchte sie einfach nur den ultimativen Kick? BILD.de bleibt dran.' (Bild.de vom 10.7.2008) 'Top-Abrufzahlen bei BILD.de. Und jetzt gewann die Unbekannte auch noch das große Online-Voting. (…) Doch wer ist sie? Wie heißt sie? Gibt es Freunde, Bekannte, die die Frau kennen? Hinweise per Email an 1414@bild.de.' (Bild.de vom 23.7.2008) Wenn irgendwo junge Frauen 'nackt', 'komplett nackt', 'völlig nackt', 'splitternackt', 'hüllenlos', 'ohne irgendetwas am Leib', 'wie Gott sie schuf' bzw. 'NACKT!' in der Öffentlichkeit gesichtet werden, gibt man bei 'Bild' alles. Da werden dann nicht nur wahllos 'BILD-Leser-Reporter'-Fotos von ihnen veröffentlicht und Online-Votings veranstaltet, sondern auch Psychologen befragt ('Neudeutsch wird dieses Phänomen 'nude in public' genannt') und öffentliche Aufrufe gestartet (siehe Kasten). Und was fällt der 'Bild'-Redaktion ein, wenn mitten am Tag ein ca. 50 Jahre alter Mann nackt und auf allen Vieren über eine belebte Kreuzung kriecht? Na, sehen Sie selbst:  'Geheimnis'? Der Berliner 'Tagesspiegel' hat es gelüftet: Denn wie die Polizei problemlos bestätigt hätte, wurde der Mann kurz nach dem Vorfall in die Psychiatrie eingeliefert. Offenbar gab es noch ein paar Passanten, die Hilfe holten, statt das Elend eines Verwirrten auszuschlachten. Mit Dank an Ben für den Hinweis. Nicht, dass jemand der 'Bild'-Zeitung nachsagt, sie trenne nicht ordentlich zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten. Das hier zum Beispiel in der 'Bild'-Zeitung von gestern war Werbung:  Und das hier war redaktioneller Inhalt:  Und die Unterscheidung ist ganz leicht. Werbung ist das, über dem 'Anzeige' steht:  Und wenn Ihnen das ein bisschen inkonsequent erscheint, müssen wir antworten: Nein, das ist für 'Bild' total konsequent.  Man muss dazusagen: Nicht nur von Bild.de wird die Enthüllung der kleinen Berliner 'Bild'-Schwester 'B.Z.' gerade weiterverbreitet. Nein, auch die Nachrichtenagenturen dpa und AP vermelden unter Berufung auf die heutige 'B.Z.'-Ausgabe Busses 'heimliche' Hochzeit. Und wenn Bild.de '… und keiner kriegt’s mit' schreibt, ist das gar nicht mal so falsch. Denn die Münchner 'Abendzeitung' berichtete bereits am 13. Oktober 2007: Jochen Busse traut sich zum vierten Mal – Im November heiratet er seine große Liebe Constanze Jochen Busse – Wiederholungstäter in Sachen Heirat. Zum vierten Mal wandert er zum Ja-Wort-Wechseln auf ein Standesamt – diesmal in Berlin am 5. November. Constanze Volkner ist – noch – der Name der Braut (…) und ihr Ehemann in Spe ist sich sicher: 'Sie ist die Richtige. Ich bin ihretwegen schon nach Berlin gezogen.' (…) Ach ja: Und wenn Bild.de, dpa, AP und alle, die die Meldung in die Welt tragen (Bunte.de: 'Wie erst jetzt bekannt wurde…'), tatsächlich keine 2,38 Euro ausgeben wollten, um den 'Abendzeitung'-Artikel z.B. bei Genios zu finden und zu kaufen – sie hätten auch einfach mal bei Wikipedia vorbeischauen können. Da nämlich steht, dass Busse 'im November 2007 ein viertes Mal' geheiratet hatte, immerhin schon seit April. Mit Dank an Torsten R. für den Hinweis. Kürzlich berichtete 'Bild' über die im März verstorbene 23-jährige Sara L. – unter Berufung auf einen Artikel des 'Tagesspiegel' aber gegen den ausdrücklichen Willen der Eltern von Sara. Die 'Bild'-Zeitung hatte den Artikel zudem mit diversen Fotos von Sara illustriert, die sie sich im Internet besorgt hatte, und an denen sie keinerlei Rechte besaß (wir berichteten). Seit kurzem ist der 'Bild'-Artikel aus dem Online-Angebot von Bild.de verschwunden. Bild.de hat den Text, wie üblich, nicht freiwillig entfernt, sondern Saras Eltern haben Anfang der Woche einen Anwalt eingeschaltet, der den Axel Springer Verlag aufforderte, wegen der Berichterstattung eine Unterlassungserklärung abzugeben. Das hat Springer getan. Saras Eltern überlegen derzeit, ob sie noch weiter rechtlich gegen 'Bild' vorgehen.  Da berichtet Bild.de also unter Berufung auf die 'Daily Mail' über einen Australier, der unglücklicherweise betrunken und schlafend am Straßenrand lag, als ein 'Kamerawagen der Website Google durch [die] Stadt' fuhr, um Aufnahmen für 'Google Street View' zu machen: Das peinliche Foto aus Australien hat einen traurigen Hintergrund: Der Mann hatte sich nach der Beerdigung seines besten Freundes betrunken und war auf dem Weg vom Taxi ins Haus eingeschlafen. Als er von seinem unfreiwilligen Internet-Auftritt erfuhr, war der Australier nicht begeistert. Google hat die Fotos inzwischen entfernt, berichtet die britische 'Daily Mail'. Ja, und die 'Daily Mail' zeigt die Fotos auch nicht. Bild.de hingegen illustriert die Geschichte mit eben jenem Foto, über das der Australier nicht begeistert war und das Google inzwischen entfernt hat. Mit Dank an Chris für den sachdienlichen Hinweis. Vergangenen Samstag berichtete 'Bild' über die 23-jährige Sara, über ihr Leben, ihre Magersucht und ihren Tod. Sara starb im März dieses Jahres, woran genau ist bislang unklar. Die 'Bild'-Zeitung ist nicht von sich aus auf diese Geschichte gekommen, die sie großzügig mit Fotos des toten Mädchens bebildert (siehe Ausriss). Sie hat sie aus dem 'Tagesspiegel', der am Freitag einen längeren Nachruf auf Sara veröffentlichte. 'Bild' schrieb: Die Berliner Zeitung 'Der Tagesspiegel' veröffentlichte mit Zustimmung der Eltern die erschütternde Geschichte von Sara L. Das ist ein entlarvender Satz. Er zeigt, dass 'Bild' es offenbar nicht für eine Selbstverständlichkeit hält, die Zustimmung der Eltern einzuholen, bevor man über das Leben und den Tod ihres Kindes berichtet. Im Gegenteil. Nach unseren Information kann man den Satz noch ergänzen: Anders als die Berliner Zeitung 'Der Tagesspiegel' berichtet 'Bild' nicht nur ohne Zustimmung der Eltern über die 'erschütternde Geschichte von Sara L.', sondern sogar gegen deren ausdrücklichen Willen. 'Bild'-Mitarbeiter haben nämlich offenbar den Eltern nach Erscheinen der Geschichte im 'Tagesspiegel' aufgelauert und versucht, sie zur Zusammenarbeit zu bewegen, um eine eigene Geschichte machen zu können. Doch die Eltern lehnten ab und sprachen nicht mit 'Bild'. Woraufhin die 'Bild'-Zeitung beim 'Tagesspiegel' nachfragte, ob sie die Geschichte nachdrucken dürfe. Der 'Tagesspiegel' jedoch lehnte – nach Rücksprache mit den Eltern – ebenfalls ab. Die Eltern wollten überhaupt nicht, dass etwas über ihre Tochter in 'Bild' erscheint. Diese doppelte Ablehnung war für 'Bild' offenbar erst recht Ansporn. 'Bild' veröffentlichte die Geschichte nicht nur trotzdem, sie bebilderte sie auch, wie gesagt, großzügig mit Fotos des toten Mädchens, die 'Bild' wohl von Internetseiten wie SchülerVZ oder StudiVZ geklaut haben dürfte (der Foto-Nachweis lautet: 'Internet'). Nach unseren Informationen jedenfalls haben weder Saras Eltern noch Freunde von ihr die Fotos an 'Bild' weitergegeben. Und egal, was an der 'Bild'-Geschichte unrechtmäßig ist und was nur moralisch fragwürdig: Widerwärtig ist sie in jedem Fall. Als 'Bild'-Köln vor knapp drei Wochen über eine 'Porno-Attacke' auf Michaela Schaffrath berichtete, weil skrupellose Menschen 'alte Sex-Filme', die sie als Gina Wild gedreht hatte, 'ohne Einverständnis' bewerben, da war das natürlich ein bisschen unbefriedigend. Denn 'Bild' zeigte zwar die umstrittene Werbung ('in Zeitungen und bei RTL.2″), hatte aber die Nummer, unter der man sich für 4,99 Euro alte Filme ohne das Einverständnis der Schauspielerin auf das Handy laden kann, weggeschnitten. Zum Glück findet sich die komplette Anzeige, um die es ging, in 'Bild'. Im Anzeigenteil.  Nur der Titel des Hauptangebotes war von 'Gina Wild Film: Durchgef***t!' in 'Gina Wild Film: Ich will kommen!' geändert worden. Die akzeptieren ja nicht jede Werbung bei 'Bild'. Mit Dank an Ulrike! Oh, nein! Nun ist es passiert. Nun haben auch wir die kleine 'Bild'-Korrekturspalte vergessen, die, als sie auf die Welt kam, auf das staunende Interesse der Weltöffentlichkeit stieß, aber schon ihren ersten Geburtstag im vergangenen Jahr allein feiern musste (wir berichteten). Dass sie bereits am 14. Juli 2008 zwei Jahre alt wurde, daran erinnerten auch wir uns erst, als uns diese Aufnahme von BILDblog-Leserreporter Jojo Beetlebum erreichte, die die Stimmung während der Feierlichkeiten eindrucksvoll dokumentiert:  Wir sind tief beschämt und gratulieren nachträglich — mit der Siegerin der Wahl der 'Bild'-Berichtigung 2007/2008. Gewonnen hat … … die Korrekturspalte vom 20. Juli 2007!  Es war ein knappes Rennen, aber am Ende musste sich die Korrekturspalte vom 4. Dezember 2007, die vor allem auf der nach oben offenen Kryptik-Skala punktete, geschlagen geben: ' title='Ausriss: 'Bild'' /> Chancenlos waren Kandidatinnen wie die Korrekturspalte vom 28. November 2007, trotz ihrer demonstrativen Bereitschaft, auch gravierende Fehler der 'Bild'-Zeitung nicht unberichtigt zu lassen: Die Heimatstadt Sundern von Ex-Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) im Sauerland hat nicht, wie gestern auf Seite 1 berichtet, 3000, sondern 30 000 Einwohner. Der Vollständigkeit halber dokumentieren wir auch in diesem Jahr, in welchem Maß die 'Bild'-Zeitung noch von der Möglichkeit Gebrauch macht, die Fehler, wie 'Bild'-Sprecher Tobias Fröhlich es einmal formulierte, da zu korrigieren, wo sie passieren: 
Paparazzerei ist ein schmieriges Geschäft. Websiten wie TMZ.com können ein Video davon spielen, wie unschön das penetrante Behelligen und Beschleimen irgendwelcher Promis in der Öffentlichkeit mitanzusehen ist. Aber auch die Schmalspur-Paparazzi der 'HauptBruch GbR - Film- & Fernsehproduktion' zeigen uns das in einer Videosequenz (Der Sänger Mark Medlock und ein weiterer junger Mann verlassen wortlos eine Veranstaltung, gehen wortlos zum Parkplatz und steigen dort wortlos in ein Auto) ganz eindrucksvoll. O-Ton: Wie hat’s euch gefallen, darf ich fragen? Bleibt ihr noch lange auf Mallorca? Magst du deinen Fans was sagen? Bitte, nur einmal… Du must dein Schweigen doch mal brechen! Bitte einmal noch umdrehen, dann lass ich euch in Ruhe! Ein Bild zusammen noch, ein schönes… Aber natürlich betteln und hecheln Paparazzi nicht zum Spaß. Und wenn sich schon die Aufnahmen nicht lohnen, müssen sie sich wenigstens lohnen. Eine HauptBruch-Website etwa verkauft sie so: Sprachloser Superstar Mark Medlock Arm in Arm mit einem Mann! (…) Aber irgendwie hatte der Sänger keine Lust gefilmt zu werden und legte lieber demonstrativ den Arm um seinen Begleiter! (…) Wir fragen, wie ihm der Abend gefallen hat – keine Antwort! Dafür gestikuliert der DSDS-Star: Mark zeigt ein Peace-Zeichen und züngelt lasziv in unsere Linse! Auch einen Gruß an seine Fans möchte er uns nicht in die Kamera sagen. Immer wieder haken wir nach, (…). Und es hat funktioniert. Gestern zeigte die kleine 'Bild'-Schwester 'B.Z.' Fotos aus dem HauptBruch-Video — und schrieb: Händchen haltend laufen Mark Medlock (30) und sein neuer Freund Marcel Remus (21) durch die Straßen von Mallorca Und weil die 'B.Z.' auch gleich noch eine News dazu hatte, steht sie mitsamt dem HauptBruchschen Foto-Beweis seit gestern (samt Video) auch bei Bild.de: Mark Medlock liebt jungen Unternehmer (…) Der Sänger und sein Lover wurden Hand in Hand auf der Baleareninsel gesichtet. Und mal mit mal ohne Bild.de als Quelle findet sich die 'Hand in Hand'-Nachricht seither u.a. auch auf Gossip-Halden wie 20min.ch und shortnews.de. Die Sache hat nur einen Haken. Nein, nicht den, dass der Medlock-'Lover' die Beziehung gestern auf Sat.1 irgendwie dementiert hat ('… als Kumpel … gute Freundschaft, mehr auch nicht … bin nicht schwul …'). Nein, der vermeintliche Foto-Beweis ist keiner. Wer auf dem Video irgendein 'Händchen halten' sieht, sollte Boulevardjournalist werden. Zu Ehren von 'Bild'-Kolumnist Franz Josef Wagner, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, wiederholen wir unseren BILDblog-Eintrag von vorvergangener Woche: __________________ Franz Josef Wagner und die Nebel von Avon Jedes Jahr um diese Zeit feiert Franz Josef Wagner zwei Geburtstage. Seinen eigenen und den von Mick Jagger. Eine ganz besondere Beziehung verbindet den 'Bild'-Autor mit dem Sänger. Kein Wunder: Ihre Biographien weisen verblüffende Parallelen auf. Beide sind im Sommer 1943 geboren. Beide sind Männer. Jaggers Mutter war Avon-Beraterin, Wagners Mutter Handarbeitslehrerin. Jagger macht Musik, Wagner hört sie. Zum 60. Geburtstag Jaggers schrieb Wagner in der 'Welt': Wenn man an 60 denkt, dann denkt man, dass die betreffende Person Schwierigkeiten beim Einparken hat und gelegentliche Unsicherheit im Personengedächtnis. Ich glaube, dass man mit 60 triumphierend jung sein kann — wenn man ein Rock 'n' Roller ist. Jeder Orthopäde sagt, dass das Geheimnis die Bewegung sei. Tanzen wir den Tod zum Teufel. Der 60-jährige Mick Jagger tanzt das Leben vor. In einer Woche werde ich 60. Zum 63. Geburtstag Jaggers schrieb Wagner in 'Bild': Rock 'n' Roll ist ein Lebensentwurf - es ist auch mein Lebensentwurf. Wir rocken uns den Tod weg, die Bandscheibe, die Prostata, die Röchel-Lunge. Ich liebe Mick Jagger nicht nur, weil er 'Satisfaction' singt, sondern weil seine Mutter Avon-Beraterin war. Der Sohn einer Avon-Beraterin wird Mick Jagger — was für ein Traum, was für ein Märchen! Und ein paar Tage später in der 'taz', nach einem Konzert der Stones: Mick Jagger ist eine Woche älter als ich, er wird am 26. Juli 63, ich am 7. August. Aber es waren viele tausend noch Ältere im Berliner Olympiastadion als wir beide. Vielleicht war es das, was wir feierten: dass die Katastrophen wie Weltuntergang, Raucherkrebs, Prostata, Herz, Venen nicht eingetreten waren und auch in dieser Nacht nicht eintreten würden. (…) 'What can a poor boy do except to sing for a rock'n'roll band', fragte Mick Jagger vor 40 Jahren in seinem Ur-Song 'Street Fighting Man'. Vor 40 Jahren — wo war ich? Vor 40 Jahren hing ich auch an den Fersen des Glücks. What can a poor boy do … Micks Mutter war Avon-Beraterin, meine Handarbeitslehrerin, sie unterrichtete Mädchen im Stricken und Tischdecken. Da war nicht viel Kohle zu holen. Also, what can a poor boy do? Er kann Zahnarzt werden, Astronaut werden, er kann sein Leben verschlafen, er kann Mick Jagger werden, oder er kann im Drogenrausch wie der beste Rolling Stone, Brian Jones, im Swimmingpool ertrinken. Er kann ein Gesicht wie Keith Richards kriegen, er kann Bianca Jagger heiraten, Jerry Hall. Er kann sieben Kinder mit vier Frauen zeugen, er kann aber auch als PR-Gag auf eine Palme klettern und herunterfallen. Er kann Boulevard-Reporter werden, Gossen-Goethe. Er kann eigentlich alles werden, wenn er ein Street Fighting Man ist. Und heute nun wird Mick Jagger 65. Und Franz Josef Wagner, der 'Gossen-Goethe', schreibt in 'Bild': Sie sind eine Woche älter als ich, heute werden Sie 65, ich am 7. August. Was gibt’s für uns 65-Jährige zu feiern? Zuallererst, dass wir überlebten und Leber, Lunge, Arterien sich bisher nicht bemerkbar machen. Den Genen sei Dank! Es war im Sommer 62, vor 46 Jahren, als ich Ihren Ursong 'Street Fighting Man' zum ersten Mal hörte. Ich war damals ein Junge wie Sie. Ihre Mutter war Avon-Beraterin, meine Mutter war Handarbeitslehrerin. (…) Man konnte damals schnell abgleiten in die Hippie- und Kifferkultur. Von einem Tag auf den anderen riss mich Ihr 'Street Fighting Man' aus dem Kiffen heraus. 'What can a poor boy do except to sing for a rock 'n' roll band'. (…) Ihr Song hat mich gerettet. Ihr Song war eine Aufforderung, seine eigene Kraft zu entdecken. Ja, so war es. Es war dieser Song. Alle, die dabei gewesen waren und heute Zahnärzte sind, Therapeuten, Rechtsanwälte, werden es bestätigen. Es war dieser Song. (…) Rock 'n' Roll hat die Welt immer verbessert. Vor 46 Jahren wurde ich durch Mick Jagger Rock 'n' Roller - ich liebe die Freiheit. Aber was immer Franz Josef Wagner vor 46 Jahren vom rechten Weg abbrachte und ihn veranlasste, einen Karrierepfad einzuschlagen, an dessen Ende er heute täglich einen Brief in der 'Bild'-Zeitung schreibt — die Rolling Stones und 'Street Fighting Man' waren es nicht. Ihr erstes Album brachten die Stones 1964 heraus. 'Street Fighting Man' wurde, inspiriert von den Studentenunruhen in Paris, 1968 aufgenommen und veröffentlicht. Wann hörte Franz Josef Wagner also mit dem Kiffen auf? Man weiß es nicht. Aber nach dem Konzert der Stones fuhr er mit dem Taxi nach Hause: 'Richtung Paris Bar, um mich mit Alkohol noch ein bisschen mehr in Stimmung zu bringen.' Mit Dank an Steffen B., Manfred L., Maren, Andreas und Map! __________________ Weiters gratulieren Wagner dpa, der 'Kölner Stadtanzeiger', 'RP Online', die 'Berliner Morgenpost' und die Ursula. In einem erstaunlichen Akt hausinterner Kollegenschelte geißelt die 'Bild'-Zeitung heute das Fehlen einer funktionierenden Schlusskorrektur im Schwesterblatt 'Welt'. Nee, doch nicht. Die Fehler-Expertin geißelt dann doch nur den Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, weil der in einem ihr politisch suspekten Gastbeitrag für die gestrige Ausgabe der 'Welt' den Namen Ludwig Erhards genauso oft falsch wie richtig geschrieben hat. 'Bild' macht ihn zum 'Verlierer des Tages' (siehe Ausriss rechts) und 'meint': 'Setzen, 6!' Dass das bei der 'Welt' niemandem auffiel, ist allerdings kein Wunder. Die Erhard-Ehrhard-Schwäche der 'Welt': - '… für Ludwig Ehrhard, jedenfalls …'
('Welt', Leitartikel, 7.5.2007) - '… nur Ludwig Ehrhard und …'
('Welt', 20.12.2006) - '… gab Ludwig Ehrhard die …'
('Welt am Sonntag', 13.11.2005) - '… im Ludwig-Ehrhard-Haus …'
('Welt', 14.10.2005) - '… aus. Ehrhard war …'
('Welt', 20.3.2005) - '… auf Ludwig Ehrhard hätte …'
('Welt', Leserbrief, 17.3.2005) - '… Ludwig Ehrhard, Ordnungspolitiker …'
('Welt', Bildtext, 19.2.2005) - '… der Ludwig-Ehrhard-Stiftung …'
('Welt am Sonntag', 22.7.2001) - '… Ludwig Ehrhard wusste …'
('Welt am Sonntag', 17.6.2001) - '… Millerntor, Ludwig-Ehrhard-Straße …'
('Welt', 5.6.2001) - '… Vorgänger Ludwig Ehrhard ein …'
('Welt', 29.6.2000) - '… von Ludwig Ehrhard hat …'
('Welt', 14.2.2000) - '… Gründergeneration Ludwig Ehrhards geht …'
('Welt', 2.7.1999) - '… ohne Ludwig Ehrhard zu …'
('Welt', 22.3.1999) - '… ins Ludwig-Ehrhard Haus …'
('Welt', 4.2.1999) - '… dem Ludwig-Ehrhard-Haus …'
('Welt', 22.9.1998) - '… mit Ludwig Ehrhard die …'
('Welt am Sonntag', 12.7.1998) Die ausgeprägte Erhard-Ehrhard-Schwäche der 'Welt' führte dazu, dass selbst Bundeskanzerlin Angela Merkel in einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2006 'Erhard' laut 'Welt' mit zwei H sprach. Ein BILDblog-Leser schilderte uns vorgestern folgendes Erlebnis: Am heutigen Montag, dem 4. August, hatte ich einen handgeschriebenen Zettel im Briefkasten auf dem stand 'Lieber , bitte ruf mich an Jörg Bergmann' und eine Handynummer (siehe Ausriss). Mein Vater hatte den Zettel gefunden, und weil ich keinen Jörg Bergmann kenne, rief mein Vater die Handy-Nummer an. Er gab sich zunächst als ich aus, reichte das Telefon aber kurz darauf an mich weiter. Der Mann am anderen Ende erklärte kurz, er sei Journalist, und sagte, es ginge um einen gewissen Stefan B. und ob ich mit ihm befreundet sei. Auf meine Frage, für welche Zeitung er denn arbeitet, antwortete der Mann zunächst nur, er sei freier Journalist. Aber ich wollte es genauer wissen und bekam etwas zögerlich zur Antwort: 'Konkret für die 'B.Z.' und 'Bild'.' Ich gab dem Mann deutlich zu verstehen, dass er nichts von mir erfahren wird, und dass er keine Zitate von mir veröffentlichen darf. Daraufhin sagte der Mann, dass das dann so am nächsten Tag in der Zeitung stehen würde. Mir kam das ein wenig wie eine Drohung vor. Ich sagte dem Mann, dass ich auf keinen Fall Bestandteil der Berichterstattung werden möchte und dass er nicht mehr anrufen soll. Damit war das Gespräch beendet und ich kontaktierte noch einige Leute, die Stefan B. auch kannten, und riet ihnen, nicht mit Journalisten über Stefan B. zu reden. Zum Wohle Stefans, seiner Eltern und ihrem eigenen. Soweit die Schilderung unseres Lesers. Gestern fand sich dann folgende Meldung in der 'Bild'-Zeitung:  Abiturient Stefan B. (20) ist im grünen Skoda seiner Eltern unterwegs. Er ist mit der Schule fertig, wartet auf einen Studienplatz. Medizin oder Psychologie will der Musterschüler (Abischnitt 1,6) vom -Gymnasium in studieren. Doch dann rast der junge Mann gegen einen Straßenbaum. (…) Bergmann in 'Bild': - 'Sex-Unfall: Foto-Model (20) tot nach Fessel-Spielen'
(31.7.2008) - 'Anna (11) in diesem Keller vergewaltigt – Straßenmusiker festgenommen'
(23.7.2008) - 'Ihr Herz schlägt jetzt in der Brust eines 7-Jährigen: Michelle (15) totgerast'
(16.2.2008) - 'Mädchen (6) auf Schulweg vergewaltigt – Polizei jagt Mann mit weißen Schuhen'
(31.1.2008) - 'Liebes-Terror! Anna (13) schickte Prügel-Bande zu ihrem Ex'
(29.1.2008) Es ist keine besonders große Geschichte. Vielleicht gab es nichts übermäßig Aufregendes oder gar Skandalöses über Stefan B. zu berichten. Vielleicht hatte Bergmann bei anderen Mitschülern von Stefan B. genauso wenig Glück wie bei unserem Leser. Vielleicht gab es aber auch Wichtigeres. Scheinbar hat Bergmann aber immerhin ein Foto des tödlich Verunglückten auftreiben können, wie sich aus einem Foto-Nachweis ergibt. Es ist ein wenig unscharf, und Bergmann könnte es aus einem Internet-Angebot wie StudiVZ oder SchülerVZ haben. Das sind bekanntlich beliebte und ergiebige Quellen für 'Bild'-Mitarbeiter auf der Suche nach privaten Fotos von Unfall-Opfern. Und bei StudiVZ beispielsweise gibt es tatsächlich diverse Abi-Fotos des Abschlussjahrgangs von Stefan B. Allerdings ist der junge Mann auf dem 'Bild'-Foto, das einen kleinen Ausschnitt eines Gruppenfotos vom Abi-Ball zeigt, nicht der tödlich verunglückte Abiturient Stefan B. Es ist nur ein junger Mann aus demselben Jahrgang. Stefan B. war nach unseren Informationen überhaupt nicht anwesend, als das Foto entstand. P.S.: Interessanterweise steht nirgends in der 'Bild'-Meldung explizit, dass das Foto Stefan B. zeigt. Wir hoffen, das liegt nicht daran, dass man bei der 'Bild'-Zeitung wusste, dass das Foto nicht Stefan B. zeigt. Nachdem die Potsdamer Staatsanwaltschaft am Dienstag vergangener Woche bekannt gegeben hatte, dass eine junge Frau tot aufgefunden wurde und gegen einen Mann wegen fahrlässiger Tötung ermittelt werde, berichtete auch 'Bild' – und zwar… … am Mittwoch vergangener Woche, am Donnerstag vergangener Woche, am Freitag vergangener Woche, am Samstag vergangener Woche sowie am Montag dieser Woche und am Dienstag dieser Woche. Alle diese Berichte, verfasst u.a. von 'Bild'-Reporter Jörg Bergmann, waren illustriert mit allerlei Fotos, die 'Bild' offenbar aus verschiedenen Internetseiten zusammengesucht hatte: 'Bild' jedenfalls nannte als Quelle einfach nur 'Web'. Und ab Tag 2 der Berichterstattung zeigten alle diese Fotos das Opfer (das mit der Preisgabe privater Daten im Internet leider nicht zimperlich gewesen ist) ohne jede Unkenntlichmachung. Wollten wir indes die vielen 'Bild'-Berichte ohne irgendeine Urheber- und Persönlichkeitsrechtsverletzung zeigen, bliebe davon wohl nicht mehr viel übrig (siehe Beispielausriss). Heute nun berichtet 'Bild' wieder über den Fall, wieder fast seitenfüllend. Aber anders als bisher wird der heutige Bericht nicht mit Fotos des Opfers illustriert. Anders als bisher wird die junge Frau heute auch nicht mehr bei ihrem richtigen Vornamen und abgekürzten Nachnamen genannt, sondern: Katja Z. (21, Name und Alter geändert) Und bei Bild.de sind die bisherigen Veröffentlichungen zum Thema (außer solche, in deren URL unbeachtet 'ACHTUNG… PIXELN' steht) vollständig aus dem Angebot entfernt. Erfahrungsgemäß machen 'Bild' und Bild.de sowas nicht freiwillig. Und dass 'Bild' nach einer Woche täglicher Berichterstattung plötzlich von selber zur Besinnung gekommen wäre, ist unwahrscheinlich: Über den Mann, gegen den im Zusammenhang mit dem Todesfall ermittelt wird, berichtet 'Bild' auch heute wieder ausführlich, vorverurteilend und identifizierbar — und (seit gegen ihn auch wegen Mordes ermittelt wird) auch ohne schwarze Balken oder sonstige Unkenntlichmachung. Mit Dank auch an die zahlreichen Hinweisgeber. Selbst wenn man sie Tag für Tag liest, die ganzen unrecherchierten, unredigierten Artikel auf Bild.de, deren Fehler wir in der Masse längst aufgehört haben zu korrigieren — manchmal ist es trotzdem schockierend zu sehen, welche Gleichgültigkeit und Verachtung die Redaktion Tatsachen entgegenbringt. Wie sie nicht einmal das Minimum an Arbeit und Sorgfalt investiert, um bei Artikeln, die sie nur aus anderen Boulevardzeitungen abschreibt oder übersetzt, den Originaltext wenigstens im Kern verstanden zu haben. Vielleicht ist es auch so, dass Bild.de-Mitarbeiter in diesen Fällen in einer Art redaktionsinternem Memory-Spiel die jeweilige Quelle nur eine Minute gezeigt bekommen und dann mit verbundenen Augen aufschreiben müssen, was sie behalten haben. Jedenfalls glaubt Bild.de, diese Neuigkeiten über den Fall Maddie aus der britischen Zeitung 'Daily Mail' übernommen zu haben:  Aber das Foto ist nicht von der Polizei geheim gehalten worden. Es ist nicht in einem 'Supermarkt in Holland' aufgenommen worden. Es wurde auch nicht 'nur Stunden nach dem Verschwinden von Madeleine McCann (5) aus der Ferienanlage in Portugal in einem Amsterdamer Geschäft gefilmt'. Und das behauptet auch nicht die 'Daily Mail'. Das Foto, das Bild.de zeigt, ist einen halben Tag nach Maddies Verschwinden in einer Tankstelle in Portugal aufgenommen worden. Es ist ihren Eltern noch am selben Tag gezeigt worden, die sofort ausschlossen, dass es sich um ihre Tochter handele. So berichtet es die 'Daily Mail'. Die 'Daily Mail' berichtet in ihrem Artikel auch davon, dass einige Tage nach Maddies Verschwinden ein ihr ähnlich aussehendes Mädchen in einem Geschäft mit Partyartikeln in Amsterdam gesehen worden sei, bei dem es sich um Maddie gehandelt haben könnte. Es ist ein Artikel über mehrere Vorfälle. Die gedruckte 'Bild'… hat es übrigens geschafft, das Foto dem richtigen Land, Zeitpunkt und Vorfall zuzuordnen, fügt aber hinzu: 'War es Maddie?' — eine Frage, die die Eltern laut 'Daily Mail' längst mit Nein beantwortet haben. Das ist schon zuviel für die Aufmerksamkeitsspanne der Bild.de-Mitarbeiter. Sie haben die Fakten der beiden Fälle so gründlich durcheinander gewürfelt, dass im Ergebnis nichts mehr stimmt. Sie sind schon an der Aufgabe gescheitert, auf der Grundlage eines Artikels einen eigenen Artikel zu schreiben. Mit Dank an Vengo für den sachdienlichen Hinweis. Ein 'FLUCH' liegt auf dem Batman-Film, glaubt 'Bild', weil es — spätestens seit dem Autounfall des Schauspielers Morgan Freeman am vergangenen Sonntag — eine 'unheimliche Häufung von Unglücksfällen in der Crew des neuen 'Batman'-Films 'The Dark Knight'' gebe.  'Erschossen'? Wickliffe kam ums Leben, als er im September vergangenen Jahres am Set mit einem Auto in einen Baum fuhr. Wie kommt 'Bild' dann darauf, dass er erschossen wurde? Der Bild.de-Artikel zum Thema gibt einen guten Hinweis. Dort ist ein 'Sun'-Artikel verlinkt, in dem es heißt: Last September special effects technician CONWAY WICKLIFFE, 41, was killed during shooting of a truck stunt near Chertsey, in Surrey. So gesehen ist es ein Wunder, dass bei den ganzen Schießereien, zu denen es bei der Produktion von Filmen im Englischen regelmäßig kommt, nicht viel mehr passiert. Mit Dank an Niklas V., Malte L., Jens K., Mutlu Y., Michael M., Jonas G., Robin D., Konstantin, Sven, Axel L., Eugen, Sebastian F. und Tobias R.! Die britische 'Daily Mail' berichtet heute über das Lied 'My Soul' von Paul McCartney. Offenbar eine Art Liebeslied an seine Ex-Frau Heather Mills. Über den 'Rosenkrieg' zwischen McCartney und Mills hatte die britische Boulevardpresse stets ausführlich berichtet – und 'Bild' hatte sich stets ausführlich an der Berichterstattung bedient. Heute berichtet Bild.de, unter Berufung auf die 'Daily Mail' über McCartney’s neues Lied 'My Soul'. Der Produzent des Liedes sagte der 'Daily Mail': 'Paul hat ein Lied über seine Gefühle zu Heather gemacht und darüber, wie das mit den Paparazzi war, weil niemand seine Version von alldem gehört hat – das wird also das erste mal sein, dass jemand ein Lied über dieses Thema hört. Es ist ein sehr emotionaler und starker Song.' 'My Soul': 'How could this steal all these feelings? How could they lie to this world? A picture away from your smile. One song displaced. One heart replaced. Feelings defaced. Invade our space. No one left to give us back our time' Entsprechend erklärt die 'Daily Mail' ihren Lesern einige Textzeilen so: McCartney beklagt sich, dass Fotografen in ihre Privatsphäre eingedrungen sind und dass Lügen über ihre Beziehung verbreitet wurden. Bild.de indes hat den Teil mit den Lügen und den Fotografen einfach weggelassen – und das Zitat des Produzenten so umgedichtet: 'Es ist ein sehr emotionaler und starker Song – nicht, was die Leute sonst von Paul McCartney gewöhnt sind.' Mit Dank an Felix F. für den sachdienlichen Hinweis. Nicolaus Fest, Mitglied der 'Bild'-Chefredaktion, ist jemand, der sich schnell mal ein bisschen in Rage schreibt. Und man muss nicht sein Therapeut sein, um zu ahnen, dass das gestern, als er den 'Bild'-Kommentar für heute verfasste, wieder passiert ist.  Leider verliert Nicolaus Fest mit der Contenance auch gern den Überblick über die Fakten. Und so schreibt er heute über die Versprechungen von Jacques Rogge, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, und die Zensur des Internets durch China:  Mal abgesehen davon, dass es sich bei der BBC (im Gegensatz zum chinesischen Fernsehen) nicht um einen 'Staatssender' handelt, ist das falsch. Die Internetseiten der 'FAZ', der Deutschen Welle und der BBC sind nicht gesperrt — wie unsere heute morgen um 9 Uhr Ortszeit in Peking entstandenen* Screenshots beweisen:    Genau das ist der in der vergangenen Woche erreichte Kompromiss, den Jacques Rogge als 'größtmöglichen' Internetzugang bezeichnet hat (und den man mit gutem Recht kritisieren darf): dass diese und viele andere internationale Nachrichtenseiten nicht mehr gesperrt sind und sich die Zensur fast nur noch auf Homepages zum Beispiel von Dissidenten, Tibet-Gruppen und manchen Menschenrechtsorganisationen bezieht. Und wenn uns jetzt noch ein passendes Wortspiel mit dem Namen des erregt-erratischen 'Bild'-Kommentators einfiele, wäre es uns ein Fest. *) Ja, wirklich. Mit Dank an Jens W.!
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