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Subscribe | Retrun to feeds | Users subscribed: 6 | Last Updated: Nov 19 2008, 17:29:02

Bloß nichts notieren

06 Aug 2008 17:00:51 | Udo Vetter | Allgemein | Comments

Zeitungsmenschen muss man pflegen, auch im Interese der Mandanten. Über die wird schließlich am nächsten Tag berichtet. Nun saß wieder so einer in der ersten Zuschauerreihe des Gerichtssaals, Spiralblock auf dem Schoß und Kugelschreiber gezückt.

Da noch ein wenig Zeit bis zum Verhandlungsbeginn war und erkundigte mich, für welches Blatt er schreibt. Für gar keins. Er arbeite für ein Unternehmen, das meint, noch Geld von der früheren Firma meines Mandanten zu kriegen.

Nun ja, wenigstens konnte ich den Guten dringend davor warnen, auch nur ein Wort mitzuschreiben. Das dürfe nämlich nur die Presse; normale Zuschauer könnten tierisch Ärger kriegen.

Er hat’s tatsächlich geglaubt und sich kein einziges Wort notiert.


Die dicke Wurst

06 Aug 2008 15:26:36 | Udo Vetter | Allgemein | Comments

Ich: Mein Mandant möchte seinen Porsche mitnehmen. Wo ist das Problem?

Porschehändler: Ihr Mandant hat eine dicke Wurst Bargeld dabei.

Ich: Und?

Porschehändler: Wir akzeptieren nur Überweisung oder bankbestätigten Scheck.

Ich: Warum nehmen Sie kein Bargeld?

Porschehändler: Das muss ich Ihnen als Anwalt doch nicht erklären.

Ich: Doch. Bar zahlen ist doch nicht verboten.

Porschehändler: Jetzt stellen Sie sich mal nicht dümmer als Sie sind.

Ich: Ernsthaft, viele meiner Mandanten zahlen bar. Wir schätzen das. Mit Schecks haben wir dagegen schon schlechte Erfahrungen gemacht. Können Sie nicht mal eine Ausnahme machen?

Porschehändler: Nein.

Ich: Dann könnte es aber sein, dass mein Mandant sauer wird. Er wird an Ort und Stelle vom Kaufvertrag zurücktreten, weil Sie ohne rechtlichen Grund die Lieferung verweigern. Ich mache das Fax dann gleich mal fertig.

Porschehändler: Was soll das denn jetzt?

Ich: Also mal ehrlich, ich hätte als Kunde jetzt das Vertrauen in Sie verloren. Aber Sie brauchen sich doch keine Sorgen zu machen. Sie können meinen Mandanten ja ganz einfach an seinem Erstwohnsitz in Südosteuropa verklagen. Außerdem stehen die Leute doch sicher Schlange, um Ihnen den Wagen aus den Händen zu reißen.

Porschehändler: Ich spreche noch mal mit dem Geschäftsführer.

Zehn Minuten später ruft mein Mandant an. Die Freisprecheinrichtung im Cayman funktioniert gut, sogar bei 210.


Unterdrückte Rufnummer

06 Aug 2008 12:59:24 | Udo Vetter | Allgemein | Comments

Von Dominik Boecker

Ich war bis gegen 19:30 Uhr im Büro und habe Fristsachen fertig gemacht. Die Kollegen sind ein bisschen früher verschwunden - ich habe mich dann als letzter abgeseilt und im Büro alles dicht gemacht, Fenster zu, Türen abgeschlossen etc. Anschließend war ich mit einem von mir sehr geschätzten Kollegen in Köln unterwegs. Ein paar Minuten vor 21:00 Uhr rief meine Mom an und wir haben den Rest der Woche geplant – übermorgen ein Gerichtstermin, wo wir gemeinsam anwesend sein werden und anschließend geht es zum gemeinsamen Mittagessen.

Hinterher geht’s für mich ins Büro, Schreibtischarbeit verrichten – unter anderem den Entwurf der Stellungnahme in der Sache „law blog“ fertig machen und an den Mandanten schicken, damit er Korrektur lesen und ggf. Ergänzungen vorschlagen kann – und meine Eltern machen sich währenddessen einen hoffentlich schönen und geruhsamen Tag in Köln, bevor wir Abends gemeinsam Essen gehen werden.

So weit, so normal und ruhig.

Um 22:27 Uhr ging mein Mobiltelefon – eine unterdrückte Nummer. Unterdrückte Nummern auf dem Mobile verheißen im Regelfall nichts Gutes – normalerweise irgendein dringender Kram, der ganz kurzfristig - am besten bis zum Morgen - erledigt werden muß. Also abgewartet, dass die Mailbox dranging. Der Anrufer hat – wider mein erstes Erwarten – eine Nachricht hinterlassen: „Guten Tag, mein Name ist … von der Polizei in Köln. Ich stehe grade in der XY-Strasse auf der Höhe des … und muß Ihnen leider mitteilen, dass in Ihr Fahrzeug K-XX XXX eingebrochen wurde. Bitte rufen Sie unsere Dienstelle an, wenn Sie diese Nachricht abhören. Herzlichen Dank und schönen Abend noch.“

An meinem Auto wurde das kleine Dreiecksfenster auf der Beifahrerseite eingeschlagen (erste Prognose meines Autohändlers: „Das wird so um zweihundert Euro herum kosten“). Es wurden folgende Gegenstände entwendet: Die Halterung meines Navigationsgerätes, ein Adapter für das Navi und das dazugehörige Ladekabel.

Das Navi selbst habe ich vorgestern auf meinem Küchentisch abgelegt. Meine CDs waren noch alle da; ebenso das Radio. Ich meine, dass in meinem Kofferraum drei Sachen gewesen sind: der Verbandkasten mit der orangenen Schutzweste; eine Kopie der Entscheidung des BGH zu „l’ecole des fants“, die ich für einen zwischenzeitlich verstorbenen Mandanten mit einer Idee zu einem Sendeformat kopiert hatte und ein Paar Sportsocken. Wenn noch was fehlt, dann die Socken (aber da bin ich mir nicht ganz sicher; es ist ja eigentlich zu warm).

Jetzt also Abwicklung: Das Auto ist schon in der Werkstatt, Infos gehen grade an die Versicherung und anschließend an die Polizei und dann die Sache abhaken.

Jede Minute mehr ist wohl Verschwendung.


Aufsichtsführend

06 Aug 2008 10:33:52 | Udo Vetter | Allgemein | Comments

Mal wieder ein für mich neuer “Titel”, diesmal bei einem Richter am Amtsgericht:

Mit freundlichen Grüßen

Dr. D.
weiterer aufsichtsführender Richter

Das ist ein Richter, der nicht formeller Vetreter des Gerichtspräsidenten oder -direktors ist, aber in der Verwaltung trotzdem was zu sagen hat.





 



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