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Night on Earth, every night...

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καλές ειδήσεις

17 Apr 2009 02:21:22 | Torsten Bentrup | Blaulicht,Kollegen,Paderborn,Verkehr t | Comments

Auf Deutsch sollte das, wenn man dem Internet glauben darf, sowas wie “Gute Neuigkeiten” heißen…

Unserem Fahrer geht es verhältnismäßig gut, er ist gestern aus dem künstlichen Koma erwacht, hat seine Schwester wohl erkannt. Diese Information kommt direkt von einem Familienangehörigen, darf also als gesichert angesehen werden. Gott sei Dank! Es wird also hoffentlich kein viertes Todesopfer des Unfalls geben.

Auch wenn diese Nachricht grade unter den Menschen, die unseren Fahrer kannten, für Erleichterung sorgt, möchte ich für alle Menschen, die Anteil am Unglück nehmen, nochmal ganz klar sagen: Der Fahrer des Taxis ist das absolute Gegenteil des typischen “Taxifahrer-Klischees”. Ich kenne wenige Menschen, die so warmherzig, freundlich, verantwortungsbewusst und vorsichtig im Verkehr sind, wie der Fahrer des verunglückten Taxis.

Alle Menschen, die ihn kennenlernen durften, die jemals mit ihm mitgefahren sind, kennen ihn so. Es ist für uns alle unvorstellbar, daß er in irgendeiner Weise bewusst irgendein Risiko für sich und seine Fahrgäste eingegangen haben könnte. Ich halte mich durchaus für einen guten, verantwortungsbewussten Fahrer, bin etliche Male von ihm gefahren worden und habe nie auch nur ansatzweise das Gefühl von Unsicherheit oder “Das hätte ich jetzt aber anders gemacht.” gehabt. Ein Taxifahrer, den sich jeder Fahrgast gerne anvertraut und der das Vertrauen niemals bewusst enttäuscht hätte.

Das ist ganz sicher keine Schuldzuweisung in Richtung des Fahrers des Leiterwagens der Feuerwehr, bitte nicht falsch verstehen. Aber es ist einfach unvorstellbar, daß ausgerechnet dieser Fahrer in solch eine Katastrophe verwickelt wurde. Den Fahrer des Feuerwehrwagens kenne ich leider nicht, vermutlich würde ich ansonsten eine ähnliche “Ehrerklärung” auch für ihn abgeben könne. Das Wort “Schuld” will mir bei dieser Tragödie einfach nicht über die Lippen kommen…

Bei aller Trauer und Mitgefühl für die Opfer und Hinterbliebenen: Wir sind einfach nur froh, daß (entgegen den hundertfach geäusserten Gerüchten) kein weiterer Mensch sein Leben so sinnlos lassen musste.


Kleine Gegendarstellungen

15 Apr 2009 05:28:07 | Torsten Bentrup | Blaulicht,Kollegen,Paderborn | Comments

Unsere Lokalpresse hat dem Unfall heute jeweils größere Artikel gewidmet. Der Artikel in der “Neuen Westfälischen” unter dem Titel “Feuerwehr trägt Trauer” befasst sich hauptsächlich mit der von mir auch gestern schon kritisierten Vorverurteilungen und Gerüchten im “Internet”, einige von Euren Kommentaren werden auch zitiert. Vielen Dank für die Erwähnung und den sachlichen und ausgewogenen Ton!

Aber ich schrub ja “Gegendarstellungen”, also ein ganz kleines bisschen Klugscheißerei: Auf der “Seite welt.de” gibt es zumindest keine Blogs, die irgendwas mit der Berichterstattung zum Unfall zu tun hatte. Es ist schlicht ein kommentierbarer Artikel der Springer-Zeitung “Welt”. Dementsprechend sind diese Kommentare, über die viele bestürzt sind, auch keine “Blog-Einträge” sondern einfach Kommentare. Dafür ist das Taxi-Blog dann aber wirklich ein Blog und keine “Diskussionsplattform”, auch wenn sich die Kommentare manchmal in diese Richtung entwickeln.

Deutlich kritischer sehe ich den Artikel “Nachts sind Taxen flott unterwegs” (nicht online) im “Westfälischem Volksblatt”.

Der deutliche Hinweis auf die mieserable Anschnallquote in Taxen ist wichtig und richtig. Was hab ich mir schon den Mund fusselig geredet, um die Fahrgäste zum Selbstschutz zu “überreden”. Das kann man nicht oft genug wiederholen.

Die drei Fahrgäste auf der Rückbank des Taxis waren nicht angeschnallt…

Und wie doof ich die Ausnahme für uns Fahrer bei Besetztfahrten finde, hab ich auch schon oft genug hier erwähnt.

Die Tatsache, daß der Fahrgast selbst für die Einhaltung der Gurtpflicht verantwortlich ist (was ich spätestens ab 1.x Promille des Fahrgastes auch dezent anzweifeln würde) entbindet uns Fahrer aber auf keinem Fall aus der moralischen Verantwortung. Besteht bitte drauf!

Ein Griff ins Klo ist dann allerdings der Schluß des Artikels:

“Als Fahrer sind wir mit 30 Prozent am Umsatz beteiligt, da fährst du natürlich, was du kannst” sagt einer […der Taxifahrer, Anm. TB].

Ich weiß nicht, welcher Deppenkollege sich da wieder wichtig machen wollte. Ich kann Euch aber versichern, daß es in Paderborn heute keinen Fahrer gibt, der mit 30% oder gar mehr am Umsatz beteiligt ist. Wenn überhaupt noch Umsatzprovision gezahlt wird, liegt diese deutlich niedriger. Selbst dort dürfte der Unterschied zwischen “gesittet” und “gerast” im Schnitt pro Schicht unter 10 Euro liegen. Brutto. Wer aus Geldgier für so eine kleine Summe sein Leben und das Leben unbeteiligter aufs Spiel setzt, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen und er gehört dringend aus dem Verkehr gezogen.

Bisher ist übrigens immer noch nichts gesichert über den Unfallhergang bekannt, die Ermittlungen werden sich wohl noch ein paar Tage hinziehen.


Welt-schlechtester Kommentar

14 Apr 2009 02:15:21 | Torsten Bentrup | Blaulicht,Kollegen,Paderborn | Comments

Der übelste Kommentar bei welt.de (11.04.2009, 18:43 Uhr, Gerhard) lässt mir einfach keine Ruhe.

Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt, dennoch eine kurze Anmerkung meinerseits:

Schöner Einstieg. “Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber…” fällt in die gleiche Kategorie. Keine Ahnung, aber erhöhtes Mitteilungsbedürfnis. Auch wenn es nur ekelhafte Lügen und Verleumdungen sind.


Ich komme aus PB, war am Unfallort anwesend und sehe (Berufsbedingt) Tag für Tag und Nacht für Nacht was sich die Paderborner Taxifahrer so “leisten”, zum Standardrepertoire gehören u.a.: Vorfahrtmissachtung, entgegen der Fahrtrichtung fahren, rechts überholen, rote Ampeln missachten, Geschwindigkeitsüberschreitungen usw.

Natürlich gibt es auch unter Paderborner Taxifahrern Vollidioten. Ich würde den Anteil der Fahrer, die tatsächlich sowas regelmäßig machen auf 2% schätzen. Bei rund 300 Fahrern also 6. Drei davon könnte ich benennen und rate den Kunden regelmäßig, sich zumindest bei deren Chefs zu beschweren, wenn sie nicht sicher befördert wurden. Weil ich natürlich nicht jeden Aushilfsfahrer kenne, hab ich einfach mal die Dunkelziffer mit 100% angesetzt.

Diese Quote dürfte für jeden Beruf sensationell niedrig sein. Ich sehe den Hauptgrund in der Struktur unseres Gewerbes in Paderborn. Wir sind die vermutlich einzige Großstadt Deutschlands ohne eine Gemeinschaftszentrale (oder kennt noch jemand eine Stadt ohne freie Zentrale?). Deshalb gibt es in PB sehr viele angestellte Fahrer und kaum selbstfahrende Unternehmer, Verhältnis etwa 10 zu 1. In München beispielsweise gibt es 3474 Taxis und es gibt ca. 2020 Unternehmer (Quelle: Die Taxipiloten).

Wenn eine Taxizentrale aber eine 3-4stellige Anzahl Taxen von fast ebensovielen Unternehmern vermittelt, können sich schwarze Schafe prima verstecken. Kaum ein unzufriedener Fahrgast begreift, daß er grade von “Taxi Buchenlaub” verarscht wurde, er sieht nur die “Obermarke” Taxiruf $Großstadt.

Paderborn ist da anders. Es gibt 15 Taxiunternehmen. Von einer gelben Ausnahme sind alle Unternehmen darauf erpicht, möglichst zufriedene Stammkunden zu bekommen und auch zu behalten. Und in allen Unternehmen sind auch die Firmengründer bzw. die darauffolgenden Generationen aktiv am Geschäft beteiligt. Die Chefs merken in der Regel sehr schnell, wer ihnen die Autos kaputtfährt, mehr Sprit und Bremsbeläge als die Kollegen verbraucht oder die Kunden schlecht behandelt. Kundenbeschwerden werden (soweit mir bekannt) in allen Paderborner Unternehmen direkt von der Geschäftführung bearbeitet. Auch dürften Paderborns Taxiunternehmen deutlich überdurchschnittlich viele Fahrzeuge von Mercedes haben und über einen überdurchschnittlich jungen Fuhrpark verfügen.

Kurz: Durch die harte Konkurrenzsituation versucht jedes Unternehmen einen möglichst positiven Eindruck zu hinterlassen. Sowohl vom Personal als auch von den Fahrzeugen her. Ausnahmen gibt es, sind aber deutlich seltener als in allen mir bekannten Städten mit Gemeinschaftszentrale.


Nachdem es vor ein paar Jahren bereits einen Taxi Unfall (überhöte Geschwindigkeit) mit 5 Toten in Delbrück gegeben hatte, war es nur eine Frage der Zeit bis sich wieder ein tödlicher Unfall ereignen würde.

Könnte ich dafür bitte eine Quelle haben? Hat zufällig irgendjemand etwas davon mitbekommen? In den letzten 15 Jahren wäre mir sowas höchstwahrscheinlich doch zu Ohren gekommen, Delbrück ist nur ein paar Kilometer weiter.

Der einzige Unfall mit Todesfolge hier im Kreis, der mir einfällt, war vor etwa 10 Jahren, ich war damals leider genauso nah dabei, hier hab ich darüber geschrieben: taxi-blog.de/wordpress/verkehrt/790/das-gestandnis/. Schlimm genug, aber weder Delbrück noch 5 Tote.


Das äußere Erscheinungsbild der Mehrzahl der PB Taxifahrer ist sehr ungepflegt und schmuddelig, kein Bürger würde freiwillig zu einer solchen Person ins Auto steigen wenn er nicht wüsste das es ein Taxi ist.

Bullshit. Von wenigen Ausnahmen fahren hier einfach ganz normal aussehende, normal gekleidete Menschen mit gepflegten Fahrzeugen der Marken Mercedes und Volkswagen neueren Baujahrs.


Wir halten es im Familien und Freundeskreis bei Feiern so, das immer eine Person nüchtern bleibt, die die Gäste wieder nach Hause fährt, denn das ist sicherer als ein PB Taxi zu nehmen.

Und hier muß ich zum ersten Mal nicht widersprechen. Jeder Paderborner Taxifahrer wird heilfroh sein, einen solch bösartigen Menschen oder jemand aus dessen Freundeskreis nicht befördern zu müssen. Die meisten von uns werden nämlich selbst bei solchen Arschlöchern noch freundlich bleiben und das ist gar nicht gut für die eigene Gesundheit.


Der Unfall

13 Apr 2009 05:47:28 | Torsten Bentrup | Blaulicht,Paderborn,Taxiblog intern,Verkehr t | Comments

(Nur die notwendige Pause von der Pause…)

Die meisten von Euch haben von unserem Unfall (Bericht der Neuen Westfälischen nw-news.de) gelesen oder gehört.

Die beiden letzten Nachtschichten haben gezeigt, daß es dazu einen unheimlichen Gesprächsbedarf gibt. Nur zu verständlich bei einer Tragödie mit drei Toten und sieben Schwerverletzten.

Um die Diskussion nicht ausgerechnet den Kommentatoren der welt.de zu überlassen (unglaublich, was da einige für einen Schwachsinn zusammenphantasieren), bitte ich Euch, hier in den Kommentaren Eure Fragen zu stellen. Ich versuche, alles möglichst zügig zu beantworten.

Eines der übelsten Gerüchte kann ich gleich dementieren: Unser Fahrer lebt. Er hat auch die gestrige Operation gut überstanden und liegt zur Zeit noch im künstlichem Koma. Wenn er die nächsten 2-3 Tage durchhält, hat er gute Chancen.

Und um gleich den “alle Taxifahrer sind rücksichtslose Raser”-Brüllern entgegenzuwirken: Der Kollege ist nicht nur ein unglaublich ausgeglichener, offener und freundlicher Mensch, sondern auch ein hervorragender, erfahrener, umsichtiger und verantwortungsbewusster Fahrer. Ich bin unzählige Male mit ihm mitgefahren, im Zweifel fährt er lieber zu langsam als zu schnell.

Zum Unfallzeitpunkt gab es auch nicht die geringsten Anzeichen von Stress seitens unserer Zentrale. Und es gab niemals, auch nicht in dieser Nacht, irgendeinen “Druck” seitens unseres Arbeitgebers. Wir sind das “entspannteste” Unternehmen in Paderborn und am Steuer saß einer der entspanntesten Fahrer. Niemand von uns muß irgendwelche Umsatzvorgaben erfüllen oder befürchtet Stress, wenn es mal schlecht läuft.

Es gab also auch keinen, wie auch immer gearteten Grund für ein absichtliches Fehlverhalten (rote Ampel, Geschwindigkeit) seitens unseres Kollegens.

Letztendlich können wir aber nur auf die Gutachter warten. Es hängt eigentlich fast alles von der Frage ab, welche Seite zum Unfallzeitpunkt Grün hatte…


Pause

09 Mar 2009 04:20:09 | Torsten Bentrup | Taxiblog intern | Comments

Um es kurz zu machen: Ich nehm mir grade meine Midlife-Crisis (naja, eher 3/4- bis 4/5-life-Crisis), dreißig verkackte Jahre müssen aufgearbeitet werden.

Zur Zeit schaffe ich leider nur zynische Scheiße oder Rumjammerei, egal ob mündlich oder schriftlich.

Das habt Ihr nicht verdient und dieses Blog auch nicht.

Deshalb wird es hier wohl die nächsten Tage (Wochen, Monate, Jahre) nichts von mir zu lesen geben.


Dinge, die mir eigentlich nie passieren…

28 Feb 2009 08:05:07 | Torsten Bentrup | Briten,Fahrgäste,Paderborn,Verkehr t | Comments

Die Gesellschaft am Straßenrand war durchaus typisch für Paderborn. Zwei junge, leicht moppelige Mädels mit viel zu offensichtlich plazierten “Schaufensterauslagen”, im Schlepptau ein junger Brite.

Ja, sowas mit wechselnden Besetzungen gibts hier tatsächlich in den frühen Wochenend-Morgenstunden recht häufig. Mädels, die nicht nur gerne vögeln, sondern dabei auch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Er zahlt die Drinks und das Taxi und bekommt im bestem Fall eine unvergessliche Restnacht.

Nun bin ich kein Moralist. Für ihn ist es in der Regel billiger (und wohl auch besser) als im Puff, die Mädels haben einen kostenlosen Abend und einen hoffentlich guten One-Night-Stand. Und die Unterscheidung zwischen wahllos koitierenden Männern und Frauen in “toller Aufreißer” und “Schlampe” fand ich nie nachvollziehbar. Wenns Spaß macht? Warum nicht?

Die Kombi zwei Frauen und ein Soldat ist allerdings ungewöhnlich. Die Rückfahrten erfolgen üblicherweise zu zweit oder zu viert.

Während wir also die knapp 20 Kilometer vor uns hin fuhren, kamen wir ins plaudern. Bunt gemischte Themen, irgendwann glitt das Gespräch auf eine etwas schlüpfrige Ebene. Man muß als Fahrer nur extrem vorsichtig damit sein, ich bin zumindest peinlich darauf bedacht, nicht als “Baggerer” mißverstanden zu werden.

Hat aber wohl nicht funktioniert. Irgendwann fiel einer der beiden auf:

“Hmm, Taxifahrer? Hast Du eigentlich gleich noch was vor? Das passt ja irgendwie sonst nicht. Hast Du Lust mitzukommen?”

“Ähem, herzlichen Dank. Aber mein Chef hätte schon was dagegen, wenn ich jetzt im stärksten Stress den Wagen abstelle. Geht leider nicht.”

Geschickt aus der Affäre gezogen! Dachte ich…

“Und wenn wir Dich dafür bezahlen?”

“Schluck.”

Siehe Überschrift…

Hätte ich eingewilligt, wäre ich wohl das erste Mal für Sex bezahlt worden. Theoretisch.

Praktisch seh ich von der Rücksitzbank aus gesehen deutlich besser aus als in jeder anderen Stellung Position. Spätestens beim Aussteigen wären die beiden eh schreiend weggerannt. Zu 99,9% war es eh nur die Fortsetzung der vorhergehenden Rumalbereien.

Gut fürs Ego war es trotzdem! :D


Tankstellengedankenspiele

26 Feb 2009 07:49:47 | Torsten Bentrup | Kollegen,Sonstwas | Comments

In Städten mit Flughafen in der Nähe gibt es sicher überall auch die “Pilotenfahrten”. Die jeweiligen Airlines beauftragen ein bestimmtes Unternehmen, deren Mitarbeiter auf Rechnung zu befördern. Mal in naheliegende Hotels wenn der nächste Flug am gleichen Flughafen startet. Aber auch gerne mal quer durch die Republik.

Sollte hier zufällig ein Fluglinienmitarbeiter mitlesen:

Bitte fangt doch einmal am Ziel der Fahrt frenetisch an zu klatschen! Machen Eure Kunden bei Euch doch auch!

Und dann bitte filmen, bei youtube hochladen und mir den Link schicken. Danke! :D


Bekannt aus Rundfunk (nicht Fernsehen)

23 Feb 2009 01:14:39 | Torsten Bentrup | Fahrgäste,Paderborn | Comments

“Hast Du mich eigentlich eben in den Nachrichten gehört?”

Das waren die ersten Worte des Fahrgastes nachdem er sein Fahrziel genannt hat.

In dem Moment schwirrte mir einiges im Kopf rum: entlaufener Serienmörder, Taxiräuber oder Schlimmeres!?

Aber ich fang lieber mal von vorne an. Und es wird ein bischen länger…

Zwanzig Minuten vorher. Ich war besetzt nach Borchen und sehe einen winkenden Menschen etwa in Höhe der Halberstätter Straße. Vermutlich ein Kunde des naheliegenden “Eros-Paradies” auf der Suche nach einem Taxi zurück in die Innenstadt.

Ich betätige kurz die Lichthupe und hoffe, er begreift, daß ich auf dem Rückweg nach ihm schaue.

Zehn Minuten später bin ich zurück und es ist keiner mehr dort. Vermutlich hat ein Kollege mehr Glück gehabt oder er ist einfach mal weitergelaufen. Vorsichtshalber mache ich noch eine Runde durch die umliegenden Straßen, fahre auch mal zum Puff-Parkplatz. Erfolglos.

Und jetzt stand ich vor einer schweren Entscheidung. Fahre ich zur Kaffee-Tankstelle nun den Frankfurter Weg runter und biege dann in die Bahnhofstraße oder nehme ich den Weg übers Westerntor.

Okay, ganz so schwer war die Entscheidung nicht. Am Westerntor würde ich vielleicht eine weitere Entscheidung treffen müssen. Wenn am dortigen Taxistand nur zwei oder drei Taxen stehen, müsste ich zwischen Kaffee und einer eventuell lukrativen Fahrt innerhalb der nächsten 2-3 Stunden abwägen.

Nicht mit mir, ausserdem steh ich eh grad so, daß ich nur noch in den Frankfurter abbiegen muß. Zum Westerntor müsste ich eine 180°-Wende hinlegen.

Kurz nach dem Einbiegen in die Bahnhofstraße fällt mir die dunkelgekleidete Person mit Mütze (Typ: “gefährlicher Hafenarbeiter”, Insider…) auf dem Bürgersteig auf, er geht blöderweise Richtung Innenstadt, kann mich also nicht herankommen sehen.

Ups, versehentlich die Hupe kurz gedrückt. Die löst aber beim 124er auch sowas von leicht aus (daran merkt man: die Geschichte ist aus demnächst naheliegenden Gründen mit massivem Zeitverzug veröffentlicht!).

Er dreht sich um, hebt den Arm und ich halte neben ihm.

“Hi, was für ein Glück. Ich muß nach $DreißigKilometerWeitWeg!”

Ja, was für ein Glück! Für mich, eine solche Fahrt hat mir die Nacht noch mehr als dringend gefehlt.

Und dann sprach der die oben genannten Worte und mir wurde deutlich mulmiger.

“Äh, nee, nichts von mitbekommen. Was war denn?”

“Mich hat eben ein LKW-Fahrer auf der A33 eingesammelt und der hat mir erzählt, daß ich schon im Verkehrsfunk war: Fußgänger auf der Autobahn!”

Puh, Adrenalin zurückfahren, den Griff um die Maglite lockern und Smalltalk beginnen.

“Hossa, wie kommt man denn auf die Idee, auf der Autobahn zu wandern?”

Und dann begann er zu erzählen und hörte eigentlich bis zum Ende der Fahrt nicht mehr auf. Es war eine lange Geschichte. Eine wohl nicht mehr ganz untypische Geschichte.

Als Berufsanfänger mit frischem LKW-Führerschein musste ein Job her. Er ist leider bei einem eher zwielichtigen Unternehmen gelandet. Als er seinen Monatslohn und die dafür zu leistenden Stunden erwähnte, kamen mir fast die Tränen. Und das als Taxifahrer, normalerweise passiert das nur, wenn ich von Kollegen aus anderen Städten oder von 1-2 Firmen in PB die Löhne erfahre…

Kurz, für die jederzeitige Bereitschaft und echten Arbeitszeiten von 12-18 Stunden an 6 Tagen pro Woche bekam er grade mal gute 1.000 Euro. Und selbst diese Lohnzahlungen immer nur mit wochenlanger Verspätung. Mit vier Nächten pro Woche (incl. einer Wochenendschicht) im Taxi hab ich (incl. Trinkgeld) das gleiche verdient.

Gut, er war Single und nicht sonderlich verwöhnt. Kann man mit hinkommen wenn die Arbeit wenigstens Spaß macht.

Aber genau das war in der kleinen Firma quasi unmöglich. Er erzählte von dem PKW, den ihm sein Chef verkauft hat. Völlig überteuert, aber in Raten vom Lohn abgezogen bezahlbar. Ohne PKW gibt es keine Möglichkeit, zur Arbeit zu kommen. Es gab also keine Alternative. Zumindest nicht, wenn die Schufa-Einträge aus der vorhergehenden Arbeitslosigkeit eine andere Kreditaufnahme verhindert.

Er hat sich also monatelang durchgebissen und die Schnauze gehalten. Erstmal arbeiten und Erfahrungen im Beruf sammeln. Weitersehen kann man später.

Und dann kam der Tag, an dem ich ihn aufsammelte.

Sein Chef hat ihn in den Wald geschickt. In den tiefsten Wald, kilometerweit entfernt von jeglicher Zivilisation. Sein LKW war ausgerüstet mit einer Holzverladeeinrichtung, er sollte dort ein paar Bäume aufladen.

Der Boden war matschig, der LKW nicht geländegängig. Er hat sich also dort in der Wildnis gnadenlos festgefahren.

Was macht ein kluger Fahrer, wenn er nicht mehr allein weiterkommt? Um Hilfe rufen. Das tat er dann auch, sein Handy fand verblüffenderweise sogar einen Sendemast zum einbuchen.

Und was macht der Chef? “Och nöö!”, sagte er. “Heute aber nicht mehr. Ich komm morgen im Laufe des Tages und zieh Dich raus!”. Naja, waren ja auch fast 100 Kilometer zwischen Firmensitz und Einsatzort.

Da stand er also, nicht zu essen, nichts zu trinken und nichtmal genug Tabak für den Rest der Nacht. Und er entschloß sich, seinen Job zu schmeißen. Irgendwann hat auch die größte Geduld ein Ende, ich hätte dem Unternehmer schon längst die Brocken vor die Füße geworfen.

Er lief also einfach los und kam tatsächlich irgendwo auf eine Straße. Per Anhalter und zu Fuß schaffte er es dann bis Paderborn und begab sich in meine Hände.

Und dann waren wir am Ziel und fuhren auf den Parkplatz, hier wollte er in sein Auto umsteigen und nach Hause fahren.

“Wo ist denn mein Auto? Wenn dieses Arschloch sich jetzt meinen Wagen gekrallt hat, werd ich zum Tier!”

Er hatte wirklich die Befürchtung, daß sein Chef sein halb bezahltes Auto verschleppt hat. Die letzten Telefonate zwischen beiden waren wohl nicht so richtig freundlich, es war also nicht ganz ausgeschlossen.

Aber dann fiel es ihm doch noch ein:

“Oh, shit. Mein Wagen steht zuhause… Ist gestern nicht angesprungen.”

“Okay, fahren wir dahin?”

“Jau, wir müssen zurück nach $ZehnKilometerRichtungPaderborn”

Nach der Hälfte der Strecke hab ich dann den Taxameter ausgemacht. Rechtlich kein Problem, wir waren längst im Nachbarkreis. Und er tat mir einfach nur leid.

Hoffentlich hat er wirklich den Absprung geschafft und fährt heute für einen seriösen Unternehmer. Ich würde wirklich gerne wissen, ob er es wirklich geschafft hat. Verdient hätte er es!


Hasi-Hasi!

22 Feb 2009 07:23:03 | Torsten Bentrup | Paderborn | Comments

Persönlich bin ich ja nicht so der Karnevalist, zuletzt verkleidet hab ich mich im Grundschulalter… Aber man muß einfach mal anerkennen, daß die Paderborner diesen für sie neuen Brauch innerhalb kürzester Zeit mit Leben füllen konnten. Gestern war erst die 6. Karnevalsparade in der Innenstadt und es waren wieder unglaubliche Menschenmassen in der Stadt. Respekt!

Und weil ich auch Erfolge anerkenne, die eigentlich gar nicht so mein Ding sind, hab ich mir für gestern vorgenommen, wenigstens einmal unseren schrägen Ruf “Hasi-Hasi-Palau!” auszuprobieren.

Meine Stunde kam kurz nach Mitternacht. Ich sollte zu einer Vereinsgaststätte, bei der der Eingang hinterm Haus liegt. Auf dem Weg schallte mir schon ein Medley der übelsten Karnevalsknaller der 80er, 90er und von heute entgegen.

Ich öffne die Tür zum Gastraum, exakt in dem Moment ist das Stück zuende und einige Sekunden Stille sind nicht zu hören.

Statt meines üblichen “Spruchs” dort (ich bin häufiger da und hole eigentlich immer dieselben drei Leutchen dort ab) “Guten Abend, Taxi Czernoch. Die bestellte Kraftdroschke ist vorgefahren!” gab es ein einfach donnerndes:

“Hasi-Hasi!”

Und wirklich jeder im Saal brüllte: “PALAU!

Okay, ich geb es ja zu: es waren nur noch sechs oder sieben Leutchen im Raum.

Trotzdem: Ich glaube, ich habe eine wichtige karnevalistische Lektion gelernt. So geht das also, wenn man mit allgemein bekannten Schlachtrufen ein gemeinschaftliches Feiergefühl erzeugt (der Verstärker Alkohol spielt natürlich auch eine wichtige Rolle).

Vermutlich funktionieren Sportevents genauso, oder? :)


Die vermutlich unsinnigsten…

17 Feb 2009 04:49:36 | Torsten Bentrup | Fahrgäste,Hövelhof,Paderborn | Comments

…Fahrten in 15 Jahren Nachtschicht

Aus aktuellem Anlass (siehe Platz 1) mal die schönsten, wenngleich völlig überflüssigen Kundenaufträge!

Platz 3 ist noch relativ harmlos und schnell erzählt. Am Fahrziel angekommen wollte ich grad den Taxameter stoppen:

“Halt, lass mal an und fahr nochmal um den Block!”

“Häh, meinetwegen. Aber wieso?”

“Ich will noch das Lied im Radio zuende hören…”

Okay, ich hätte ihn auch kostenlos die zwei Minuten sitzen lassen, aber wo wir schonmal wieder losgefahren sind…

Ein paar Jahre später, immer noch in Hövelhof aber anderer Fahrgast, kam es dann zum Platz 2 in dieser kleinen Hitparade:

“Fahr mich mal zur Hauptkreuzung!”

Kein Problem, die einzige echte Ampelkreuzung (für Autos und so) des Ortes war also das Ziel.

“Und dann stellst Du Dein Taxi so hin, daß die Scheinwerfer genau in die Mitte der Kreuzung leuchten.”

“Häh?”

“Ja, ich werd gleich einen Freudentanz mitten auf der Kreuzung aufführen und Du machst die Lightshow. Darfst auch gerne ein bischen hupen. Lass die Uhr ruhig laufen, ich fahr danach weiter!”

Und genauso haben wir es gemacht. Der Junge wollte die Trennung von seiner Freundin mal so richtig zünftig feiern! Zwei Wochen später waren beide übrigens wieder zusammen. Den letzten Stand der Dinge, den ich mitbekommen habe, war die bevorstehende Hochzeit.

Die Inspiration für diesen Eintrag hat es dann mit Fug und Recht auf Platz 1 geschafft!

Am Samstag so kurz vor 2 Uhr klingelte mein Telefon.

“Moin, $Blogleser hier. Ich hab Dir mal eine Mail geschrieben, weil ich gerne mal mit Dir fahren wollte. Hast Du Zeit?”

“Klar, wo bist Du denn?”

“Bahnhof, am Parkplatz.”

“In 10 Minuten bin ich bei Dir!”

Als ich ankam stieg er dann um, vom Privatwagen ins Taxi.

“Hi! Und? Wo möchtest Du hin?”

“Keine Ahnung, fahr doch einfach mal so für 20 Euro durch Paderborn!”

“Äh, ja… Und dann wieder hierhin zum Bahnhof?”

Wollte er. Obwohl ich für 20 Euro auch fast zu ihm nach Hause hätte fahren können. Aber dann stünde ja sein Wagen immer noch auf dem Parkplatz.

Wir haben dann eine kleine Sightseeing-Tour gemacht und ich hab ein wenig aus Taxi-Blogger-Sicht erzählt.

Ein bisschen was bekam er dann auch geboten für sein Geld: Eine Fahrt über den Kamp, der Teil der Fußgängerzone, der legal (fast nur) mit dem Taxi zu befahren ist.

Dann noch die berühmte früher automatikpollergeschützte Abkürzung am Vincenz-Krankenhaus (weil da inzwischen jeder zweite Taxifahrer seine 15 Euro bezahlt hat, die Durchfahrt ist auch ohne Poller nicht erlaubt). Und natürlich gabs noch einen Kaffee an Paderborns bester Tankstelle!

Dazu meine Lieblingsfotosafari-Strecke durch die Betonwüste rund um den Königsplatz (Buszentralstation, Savoy, Sappho). Da mach ich immer die schönsten Fotos von illegal bereitgestellten Mietwagen der 22er. :(

Am Ende der Fahrt gabs dann noch meine Visitenkarte zur Erinnerung (hätte ich die vielleicht signieren sollen?). :D

PS: In der Top3 habe ich mal völlig ignoriert, daß es eine ganz Latte von überflüssigen Fahrten gibt, die alle nur einem Zweck dienen: Sex! Hätte ich alle Fälle notiert, in denen Menschen im Hormonwahn völlig unsinnige Taxifahrten unternommen haben, stünden hier doppelt soviele Einträge!


Das alte Rein-Raus-Spiel

15 Feb 2009 08:40:08 | Torsten Bentrup | Briten,Fahrgäste,Paderborn | Comments

Zugegeben, der Fahrgast war schon deutlich über den Zustand “betrunken” hinaus, nur einen Hauch von “Koma” entfernt. Aber er konnte noch sein Fahrziel nenne und eigenständig einsteigen, daran sind andere schon gescheitert.

Es sollte also zu einer der Stadtkasernen gehen. Während er auf der Rückbank eine gute Schlafposition für die 5-Minuten-Fahrt suchte, fuhr ich so vor mich hin.

Bis zur ersten roten Ampel, verblüffenderweise erwischte uns die erst an der zweiten Kreuzung. Das können Paderborner Ampeln eigentlich besser…

Während ich so auf der Linksabbiegerspur vor mich hin warte, höre ich, wie er versucht, die Tür zu öffnen.

“Hey, what’s up?”

Nix, meint er. Nur will er jetzt lieber aussteigen. Meinen Hinweis auf seine Zahlungspflicht hat er dann auch sofort verstanden und brav bezahlt. Die Hinweise auf die unzureichende Bekleidung bei -10°C und die zwei Kilometer bis zur Kaserne verstand er nicht so richtig…

Blöd, jetzt hatte ich ein Problem. Laufen lassen ging nicht, er wäre nie heile angekommen. Zurück ins Taxi zwingen kann ich ihn auch nicht. Aber im Zweifel muß ich ihn halt im Auge behalten, bis polizeiliche Hilfe eintrifft.

Die Tür fällt zu, ich nehm mein Telefon und wähle langsam die 110. Währenddessen strunkelt er am Heck vorbei (immerhin, richtige Richtung!) und…

…öffnet die Tür auf der anderen Fahrzeugseite, steigt ein und lallt:

“Hi mate, Barker-Barracks please…”

Problem gelöst! Ich durfte ihn dann doch noch bei den Guards abliefern (und ich konnte mit ein bischen Mühe tatsächlich widerstehen, nochmal den vollen Fahrpreis zu verlangen ;) ).


Gonzo 2.0

13 Feb 2009 07:05:53 | Torsten Bentrup | Taxiblog intern | Comments
Bolle

Es hat fast vierzehn Tage länger gedauert als geplant, aber nun ist es endlich soweit! Wir präsentieren: Gonzo 2.0!

Ja, der Kater hat noch nen langweiligen Namen, “Bolle” (oder alternativ auch “Dicker”, “Stinker” und “Kater”). “Newton” war auch noch in der engeren Wahl. Da man ihn im Tierheim “Isaak” genannt hat, lag die Assoziation schon nahe.

PS: Aussagekräftigere Fotos von vor seinem Einzug gibts beim tierheim-bad-driburg.de (Link).

PPS: Eigentlich sollte es ja zuerst ein Kater aus dem nähergelegenen Tierheim in Schloß Neuhaus sein. Aber dort sind nur “Großkunden” erwünscht: Mindestens zwei Tiere oder gar nichts. Super, Leute.


Neverending Story?

11 Feb 2009 05:26:42 | Torsten Bentrup | Kollegen,Paderborn,Taxiblog intern | Comments

Eigentlich halte ich ziemlich viel von den allermeisten Nachtschichtkollegen hier in Paderborn. Durchaus firmenübergreifend, aber die Kollegen der eigenen Firma sind nochmal ein Stück weit besser. Logisch, sonst würde ich ja nicht für Czernoch fahren sondern woanders. :)

Aber je mehr Taxen auf die Straße müssen, desto eher muss man als Chef auch mal Abstriche bei der Personalauswahl machen.

Bevor ich anfange zu erzählen, noch ein paar kleine Hintergrundinfos zur besonderen Situation in unserer Zentrale, nicht jeder von Euch kennt ja die alten Geschichten. Bevor ich direkt zu Czernoch gewechselt bin, hab ich den “Wagen 11″ an der Zentrale Czernoch gefahren. Ursprünglich war ich damit gleichberechtigt, war ich am nächsten an einer Zentralfahrt, hab ich die auch bekommen.

Dann kam der Kollege in die Firma, sein “Einstand” lief schon nicht so richtig gut. Und auch später war er immer wieder Grund für Ärger und Blogeinträge (hier und hier).

Inzwischen ist die Situation so, daß der “11″ sich relativ unabhängig von der Zentrale Czernoch bewegt. Er hat seine eigenen Kunden und wenn wir zuviel Stress haben oder die Anfahrtswege für den 11 deutlich niedriger sind als für irgendeinen der zentraleigenen Wagen, geben wir gerne Fahrten ab (und umgekehrt).

Damit kommen alle bestens klar und sind zufrieden mit der Situation. Wäre da nicht besagter Kollege…

Seitdem ich nicht mehr “Wagen 11″ fahre, ist meine WGlerin Sonja quasi nachgerückt und saust jetzt mit dem alten Daimler durch Paderborn. Und letzte Nacht kams dann zum Eklat.

Bestellt hatte eine Kaserne, drei Wagen wollten die Briten haben. An einem Dienstag nichts verwunderliches, das ist der Tag, an dem die Briten zum Karaokesingen ins “Auld Triangle” wollen. Also fährt ein einigermaßen mitdenkender Taxifahrer bis zum späten Abend die Kasernen an und wird in der Regel auch schnell besetzt.

Nunja, drei Wagen wurden benötigt, der Kollege stand an vierter Position am Bahnhof. Die Aussichten dort sind Dienstags eher schlecht, er entschied sich also freiwillig, zur Kaserne zu fahren.

Sonja hatte keinen von den drei Aufträgen abbekommen, wurde aber wenig später ganz in der Nähe zu besagter Kaserne frei und steuerte selbstverständlich die Kaserne. Als sie dort ankam, standen auch schon Fahrgäste vorm Tor und verneinten die Frage, ob sie denn telefonisch bestellt hätten. Gelogen wird nur umgekehrt, die Aussage der Fahrgäste dürfte sicher der Wahrheit entsprechen.

Nichts Böses ahnend lud sie also die Briten ein und fuhr los. Blöderweise sah der ankommende Kollege das und fing schonmal an, über Funk blöde Sprüche abzulassen. Als er dann 5 Minuten später immer noch nicht besetzt war, wurde es eklig über Funk.

Ich erspare Euch mal die Details, es ging um “Fahrtendiebstahl” und die Drohung, er werde sich bei seinem (und meinem, nicht jedoch Sonjas) Chef beschweren. Und weil man ihn so übel verarscht, hat er dann auch gleich mal demonstrativ nach 1/4 der Schicht Feierabend gemacht…

Die Fakten:

Es gab keinen “Fahrtendiebstahl”, dort kommen Dienstags die Fahrgäste im 5-Minuten-Takt raus. Hätte er nicht wutentbrannt Feierabend gemacht, hätte er dort auch noch jede Menge Umsatz machen können.

Selbst wenn es irgendein Fehlverhalten gegeben hätte, klärt man das bei nächster Gelegenheit persönlich. Sowas müssen weder die Kollegen noch die Fahrgäste mitbekommen. Ganz übler Stil.

Eingeschnappt Feierabend machen ist dann nur noch das i-Tüpfelchen, schlichter Fall von Arbeitsverweigerung.

Wäre ich sein Chef, würde der “Kollege” achtkantig rausfliegen. Es gibt so viele gute Fahrer, die gerne zu uns wechseln würden. Und das sind Leute, deren Charakter nicht nur aus einer Mischung aus Dummheit und Boshaftigkeit besteht.


Herzlichen Glückwunsch!

08 Feb 2009 07:08:54 | Torsten Bentrup | Fahrgäste,Kollegen,Paderborn | Comments

Meiner WG-Kollegin Sonja ist heute ein extrem seltenes Ereignis gelungen:

“Vier Anfahrten in Folge!”

Sie hat tatsächlich in der hektischsten Zeit gleich viermal hintereinander vor verschlossenen Türen oder ratlosen Wirten gestanden (”Die sind schon rausgegangen. Stehen die da nicht mehr?”), bzw. bekam freundlich mitgeteilt, daß die Kunden lieber doch noch ein bischen bleiben wollen.

In mehr als 15 Jahren in dem Job hab ich sowas noch nie erlebt. Und so eine Pechserie hätte ich mir gemerkt! “Üblich” sind 2-3 Anfahrten pro Wochenendschicht, mit Pech hat man vielleicht viermal das “Vergnügen” pro Abend. Und selbst dann nicht so geballt.

Aber immerhin gabs Trost vom Zentralisten:

“Sieh es doch mal so: Du hast in 20 Minuten vier Fahrten erledigt. Das schaffst Du sonst nicht!”

Der Kunden-Spruch des Abends kam bei mir übrigens von einem bekennendem Kokser. Der erste übrigens, der mir nicht negativ in Erinnerung geblieben ist…

Am Ende der Fahrt wollte ich ihm meine Visitenkarte in die Hand drücken. Er befühlt mein Pappkärtchen und meint:

“Sag Deinem Chef mal, er soll vernünftige Karten anschaffen. Damit kann man überhaupt kein Koks kleinhacken!”

An was man heutzutage bei Werbeartikeln alles denken muß?! Mit unserer streng limitierten Kalender-Karte war er dann allerdings zufrieden! :)


“Emmanuelle” heute im Cineplex

07 Feb 2009 22:03:04 | Torsten Bentrup | Paderborn | Comments

Nur mal so zwischendurch für diejenigen, die noch nicht wissen, wo sie gleich hingehen sollen.

Die berühmt-berüchtigte Party-Reihe “Emmanuelle” findet heute ab 23 Uhr (also jetzt) in der Kinopassage Westernstraße im Cineplex statt.

Durch den großen Andrang auf den letzten Partys ist diesmal wohl die Info über den Ort erst heute Abend rausgegeben worden.

So, Pause beendet. Bis gleich!


Zu früh…

07 Feb 2009 05:46:37 | Torsten Bentrup | Blaulicht,Paderborn | Comments

Da krieg ich am Wochenende mal einmal pünktlich Feierabend und dann verpasse ich die heftigsten Geschichten.

Und so bekomme ich eben auf dem Heimweg von “meinem” Taxifahrer erzählt, daß einer unserer Fahrer zur Zeit mit mutmaßlichen Taxiräubern unterwegs ist. Beim Abschicken des Textes ist hoffentlich alles gut ausgegangen, genauer weiß ich das wohl erst heute Abend.

Was war passiert? Ich geb mal das wieder, was mir der Kollege eben erzählt hat (bei Fehlern geb ich dann die Schuld an ihn weiter).

Letzte Woche wurde eine Kollegin einer anderen Firma überfallen. Vorhin sieht diese Kollegin zufällig, wie unser Fahrer Fahrgäste einsteigen lässt und ist sich “100%ig” sicher, daß es sich dabei um die Räuber handelt.

Seitdem wird der Kollege (nachdem er unauffällig über den Verdacht telefonisch informiert wurde) von der Polizei verfolgt und eingekreist.

Drückt mal die Daumen, daß die Sache gut ausgeht!


Hansi

03 Feb 2009 06:15:49 | Torsten Bentrup | Fahrgäste,Paderborn,Taxiblog intern | Comments

Hansi war ein Gewohnheitsmensch. Nach Feierabend gings immer zuerst für ein paar Minuten in die Stammkneipe, ein-zwei Bier und gemütlicher Klönschnack. Dann ließ er nach mir rufen. Einer der Menschen, der jedes Mal bei der Taxibestellung nach mir gefragt hat…

Ein wirklich sympathischer Mensch, wir waren auf einer Wellenlänge, haben uns immer bestens verstanden und unterhalten. Auch wenn am Ende der Fahrt selten mehr als vier Euro auf der Uhr standen, hab ich mich immer gefreut, wenn seine Bestellung über Funk kam.

Vorhin kam ich in seine Stammkneipe. Mit ihm hab ich da eigentlich nicht gerechnet, war viel zu spät für ihn…

Der erste Satz der Wirtin, als ich reinkam:

“Weißt Du schon, daß Hansi tot ist?”

Über den Unfall (Polizeipresse) hab ich gelesen, wäre aber nicht im Traum drauf gekommen, daß Hansi der Fahrer war.

Herzinfakt am Steuer, mit 47 Jahren. Was für eine verdammte Scheiße.

(PS: Keine Angst, hier bleibts nicht so deprimierend. Ich hab mir fest vorgenommen, in den nächsten Tagen wieder mit dem “Regelbetrieb” anzufangen. Vielen Dank für Eure Motivation!)


Dinge, die eigentlich nicht gehen

26 Jan 2009 12:31:40 | Torsten Bentrup | Kollegen,Paderborn,Taxiblog intern | Comments

Ob die “Twilight Zone” zur Zeit in Paderborn gastiert? Mein “gestohlenes” Handy ist also wieder aufgetaucht.

Aber ich berichte von der letzten Nacht mal von Anfang an:

Als ich gestern abend aus der Tür kam, musste ich schon schmunzeln. Mein Taxi zur Arbeit wartete ein paar Meter weiter mit blinkendem Dachschild, der stille Alarm. An den Knopf kommt man schon recht leicht. Einmal drücken macht das Blinken, beim zweiten Drücken merkts dann auch jeder Fahrer: Hupen, Fernlicht, Warnblinker… alles in Intervallen, Alarm halt. Ich habs dem Kollegen abgestellt.

Dann wollte ich einsteigen. Ging aber nicht. Er hatte so geschickt geparkt, daß ein Parkverbotschild die Beifahrertür blockierte… :)

Während der Fahrt berichtete er:

“Der Fahrersitz lässt sich nicht mehr einstellen, die komplette Elektrik ist ausgefallen!”

(Über die unglaublichen Macken der W211er-E-Klassen muß ich auch schleunigst mal schreiben!)

An der Zentrale angekommen war gleich “passiver Stress” angesagt. Jede Menge Fahrten und ich bekam gleich den ersten Auftrag.

“$WagennummerVonMichGefahrenHabenderTagschichtkollege!” kannst Du gleich übernehmen.”

“Da ist die Sitzverstellung kaputt.”

“Mist, dann warte auf $AndererWagen. Der müsste auch gleich da sein.”

War er leider nicht. Sein Fahrgast fand einfach nicht den für ihn passenden Puff und so war seine Fahrt auch nach über 20 Minuten noch nicht beendet. Mal so als Hinweis an die Kollegen: Das Eros-Paradies ist wohl wieder zurück in die uralten Räume des früheren Bienenkorbs gezogen. Hüstel.

“Komm, nimm erstmal den $WagenMitKaputtemSitz und schau, obs wenigstens für eine Besorgungsfahrt geht.”

Es ging, Liegesitz ist zwar nicht meine bevorzugte Position aber es war grad noch im Rahmen.

Also ab zur T-Tanke, gleich noch den obligatorischen Kaffee dazubestellt und die Brühzeit mit Smalltalk überbrückt. Dabei lagen Telefon und Geldbörse auf der Theke.

Der Kaffee war fertig, die Einkäufe für den Kunden bezahlt und ich bin abgefahren. Kurz vorm Ziel begann das Suchen: Wo ist das fucking Handy?!

Abgeliefert und mit Vollgas zurück zur Tankstelle. Nichts zu finden. Also mal schnell sich selbst anrufen (eine unglaublich sinnvolle Eigenschaft. Warum klingeln Schlüssel nicht, wenn man sie anruft? Oder die Brieftasche? Marktlücke!).

Während also der nette Tankstellenmitarbeiter mein Telefon klingeln ließ, bin ich in und ums Taxi rumgekrochen. Ich habe nicht den geringsten Ton gehört, und mein Klingelton ist schon sehr eindringlich. Schließlich laufe ich im Dienst auch ab und zu durch Discotheken und suche meine Gäste, selbst da kriege ich Anrufe mit. Und da war nichts!

Also zurück zur Zentrale, der Puffrundfahrer hatte inzwischen Feierabend und ich konnte in einen voll funktionierenden Wagen umsteigen.

Den Rest der Nacht hab ich mit dem “Leihhandy” (Danke an Sonja und Melanie) ständig die eigene Nummer gewählt. Die ersten 1-2 Stunden kam nur das Freizeichen. Danach für einen ähnlich langen Zeitraum “Teilnehmer nicht erreichbar”. Später wieder das Freizeichen.

Auch meine SMS “Gibs mir zurück, ich zahle Finderlohn und die Polizei bleibt aussen vor!” wurde nicht beantwortet.

Es wurde Feierabend, ich hab meine Frusteintrag geschrieben und eine Stunde später kommentierte “Rainer Hohn”:

“guten Morgen,

haha das war ja lustig, ich hab die nummer angerufen und es ist sogar jemand dran gegangen. hörte sich wie nen kollege an (Thomas) - du sollst ihn am besten mal anrufen. siehst du alles halb sowild.

und zum rest kopf hoch, der silberstreifen am horizont verheisst auch dir ein baldiges ende der winterdepression.”

Exakt so war es. Rainer war der zweite Anrufer (hab ich eben gesehen), den ersten ohne übertragene Rufnummer hat der Kollege überhört. Das Telefon lag in der Ritze zwischen Sitz und Mittelkonsole.

Natürlich bin ich im Moment einfach nur glücklich, daß mein Lieblingstelefon (das K810i ist schon sehr genial, wenn man eine gute Kamera und ein gutes Telefon für kleines Geld in einem Gehäuse haben will) wieder hier ist.

Trotzdem würde ich echt gern mal wissen:

Wie kann ein Telefon in einem geparktem Taxi zeitweilig “nicht erreichbar” sein?

Und wieso hab ich keinen Mucks gehört, obwohl es der Klingelton eigentlich ausreichend laut ist?

Hmm, neben Twilight Zone bleibt eigentlich nur noch die Variante “Fehlfunktion Telefon”, auch nicht soo super. Allerdings gab es bisher keine Beschwerden wg. Nichterreichbarkeit. Hmmm…

PS: Upsi, es gibt einen gut verteilten Torrent mit allen 156 “Twilight Zone”-Originalfolgen… Kommt man eigentlich in die Hölle, wenn man seine Jugenderinnerungen runterlädt? Egal, ich bin nicht katholisch. Oder ich frag mal Amazon! :)

PPS: @Herr Hausbesitzer: Meine Mail mit der Nottelefonnummer hat sich damit erledigt. Der Heizungsmonteur war auch vorhin schon da und hat die mutmaßlich defekten Teile lokalisiert. Und exakt vor 4 Minuten hab ich ihn nach erfolgter (und hoffentlich erfolgreicher) Reparatur verabschiedet. Gut, daß ich Urlaub hab und vielen Dank für die schnelle Erledigung! Und Glückwunsch zur Wahl der Firma, die sind wirklich gut und schnell. Es sei denn, die Reparatur war ohne Erfolg. Aber dann meld ich mich schleunigst wieder!

PPPS: BTW: Die Frühleser und RSS-Nutzer kennen übrigens jetzt meine Handynummer. Deshalb kurz der Hinweis, daß ich ausser Dienst unbekannte Nummern stumm schalte. Für “Unbekannte” gilt also: Wenn keiner dran geht, ist Torsten nicht im Taxi. Bei anderen Anliegen könnte eine SMS helfen.


War’s das?

26 Jan 2009 07:10:20 | Torsten Bentrup | Taxiblog intern | Comments

Keine Ahnung.

Wahrscheinlich nicht, aber aktuell hab ich einfach nur die Schnauze voll. Vom Bloggen, vom Taxifahren, von der Menschheit an sich. Ob es daran liegt, daß ich die letzten drei Monate kein Sonnenlicht gesehen habe?

Momentan bin ich einfach nur frustriert und desillusioniert. Kurz, ich brauch ‘ne Pause.

Das absolut niveau- und geschmacklose Kommentardesaster unter dem letzten Eintrag war da nur der berühmte Tropfen, besser gesagt der Eimer mit Eiswasser für das Faß (und die schlimmsten Kommentare haben es nichtmal durch den Spamfilter geschafft).

Wie gesagt, das war nur der letzte Treffer. Mir wurde die letzte Zeit immer klarer, wie unwichtig dieses Blog eigentlich ist. Hätte man mir beim Start vorhergesagt, daß die Seite mal im Schnitt über 2.000 Besucher pro Tag anzieht, hätte ich mir vorgestellt, daß man damit ein bischen was erreichen kann.

Weniger Fahrgäste, die sich daneben benehmen. Mehr Fahrer, die Ihren Job ernst nehmen (und eine ehrliche, gute Arbeit leisten). Unternehmer, die sich ein bischen besser in den Alltag der Fahrer hineinversetzen können.

Davon ist nichtmal im engen Paderborn irgendwas eingetreten. Tendenziell (kann aber auch meiner miesen Laune geschuldet sein) ist es eher schlimmer geworden…

Und dann ist da noch das Ding mit meiner “Identität”. Dadurch, daß ich unter echtem Namen blogge, hab ich inzwischen (teilweise aus schlechten Erfahrungen resultierend) eine dermaßen riesige Schere im Kopf, daß 90% aller blogbaren Sachen einfach nicht blogbar sind. Das nervt. Könnte ich nochmal starten, dann ausschließlich unter Pseudonym.

Und irgendwie fehlt mir Gonzo. Letzten Donnerstag wurde er uns wieder entrissen. Menno!

Naja, wieauchimmer. Winterdepression mit Nachtschichtverstärkung halt, ich krieg mich schon wieder ein…

Jetzt hab ich erstmal (wenn keine Kollegen krank werden) eine Woche Urlaub, die Einweihungsparty (bitte Mail, wenn ich eine Einladung vergessen habe) ist auch in greifbarer Nähe. Ein zünftiges Besäufnis wird die Laune schon wieder heben!

Immerhin gibt es auch einen sehr positiven Punkt. Würde ich jetzt noch alleine in Sennelager wohnen, würde ich wohl die so langsam die Deckenbalken auf ihre Traglast überprüfen. Mitten in Paderborn und in unserer kleinen WG sieht alles gleich anders aus. Wäre hier “Zimmer frei!”, würde Sonja von mir nur grüne Karten bekommen. Ich hätte nie gedacht, daß das Zusammenleben so unkompliziert und gut klappt.

PS: Falls jemand zufällig Langeweile hat. Ruft doch mal die 015114453457 an und falls da wirklich einer drangeht sagt ihm, er soll mir mein Telefon wieder zurückgeben (ja, ich geb sogar Finderlohn). Das Handy ist mir letzte Nacht genauso dämlich geklaut worden wie letztes Mal. Ja, ich bin ein Idiot.


Mordopfer Kardelen

18 Jan 2009 07:31:02 | Torsten Bentrup | Blaulicht,Paderborn | Comments

Kerzen für Kardelen

Mein Mitgefühl für die Eltern und alle Trauernden.

Die Polizei sucht noch Zeugen, die Beobachtungen in Paderborns Südstadt (Benediktinerstraße, Liegnitzer Straße) oder am Möhnesee gemacht haben, die mit dem Mord an der 8-jährigen Kardelen zu tun haben könnten. Kontaktmöglichkeiten und Infos unter Polizeipresse




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